Hinter den Kulissen – Hollywood im Film

von Ronnie Kohler

Als Traumfabrik gehört Hollywood, der US-amerikanischen Filmindustrie, ein fester Platz in der globalen Popkultur. Bilder, Geschichten und Stars haben sich dem Publikum über die Jahrzehnte eingebrannt. Sie bestimmen manchmal sogar, wie wir über die Welt, in der wir leben, denken. Seit der Frühzeit des Kinos wagen Regisseur:innen, Autor:innen und Produzent:innen auch den Blick auf die eigene Branche, ihre Verlockungen, Freuden und Schattenseiten. Zu Tage tritt dabei nicht selten ein Jahrmarkt der Eitelkeiten und ein skrupelloses System, das Menschen komplett verschlingen kann. Die Ausstrahlung von «Once Upon a Time in… Hollywood», Quentin Tarantinos schillerndem Streifzug durch das Los Angeles des Jahres 1969, am 30. Mai 2022 im ZDF wollen wir nutzen, um einige Filme über Hollywood vorzustellen.

«Boulevard der Dämmerung» (1950)

Über 70 Jahre alt, und doch kein bisschen angestaubt: «Boulevard der Dämmerung». Er ist einer der grossen Klassiker unter den Filmen über Hollywood. In Billy Wilders schwarzhumorigen Noir-Drama erzählt der tote (!) Drehbuchschreiber Joe Gillis (William Holden) rückblickend von seiner zerstörerische Beziehung zu der in Vergessenheit geratenen Stummfilmdiva Norma Desmond (Gloria Swanson). Die Figur des Autors steht beispielhaft für viele Menschen, die mit riesigen Hoffnungen nach Los Angeles kommen. Sie wollen sich in der Kinoindustrie verwirklichen, scheitern dann aber an der harten Realität des Haifischbeckens.

Einer der grossen Klassiker unter den Filmen über Hollywood: «Boulevard der Dämmerung». ©Cineman

Gillis kämpft verzweifelt um neue Aufträge und hat finanzielle Sorgen, die ihn schliesslich in die Arme der wohlhabenden Norma treiben. Über die von einem aufsehenerregenden Comeback träumende Schauspielerin setzt sich Billy Wilder nicht nur mit dem Schönheitswahn und der Verlogenheit der Branche auseinander. In den Fokus rückt er auch die besonderen Probleme von Darstellerinnen. Anders als ihren männlichen Kollegen werden ihnen ab einem gewissen Alter nur noch wenige spannende Rollen angeboten. Darüber hinaus veranschaulicht «Boulevard der Dämmerung» pointiert den Wandel im Hollywood-System. Wer in der Stummfilmzeit ein Star war, schaffte nämlich längst nicht immer den Sprung in die Tonfilmära.

«Adaptation» (2002)

Wie man aus einer Schreibblockade kreative Kraft schöpft, beweist der für seine unkonventionellen Drehbücher bekannte Charlie Kaufman in der skurrilen Tragikomödie «Adaptation». Die Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, als er das Sachbuch «The Orchid Thief» von Susan Orlean für die grosse Leinwand aufbereiten sollte, machte er kurzerhand zum Stoff seines «Adaptation»-Skriptes. Auch im Film hadert Charlie Kaufman (Nicolas Cage) folglich mit seiner Aufgabe. Zusätzlich ist er genervt, dass sein einfältiger Zwillingsbruder Donald (ebenfalls Nicolas Cage) plötzlich das Schreiben für sich entdeckt und mit einem klischeehaften Serienkillerthriller in Hollywood durchstarten will.

Doppelrolle für Nicolas Cage in Spike Jonzes «Adaptation». ©Cineman.

«Adaptation», entstanden unter der Regie von Spike Jonze, ist ein bunter Strauss an schrägen, originellen Einfällen. Der Film ergründet in seiner selbstreflexiven, Realität und Fantasie munter vermischenden Art die Anforderungen an Drehbuchautor:innen und die erzählerischen Mechanismen der Filmindustrie. Wenig verwunderlich taucht mit dem tatsächlich existierenden Robert McKee (Brian Cox) auch einer der berühmtesten Drehbuchgurus auf. Sie stellen allen zahlungswilligen Interessent:innen in Aussicht, das Schreiben für den Film in einem Kurs zu erlernen. Starre Formeln vs. grenzenlose kreative Freiheit – mit Witz und Raffinesse entwickelt «Adaptation» aus diesen Polen eine nie langweilige, in der Hauptrolle famos gespielte, irrwitzige Haken schlagende Geschichte.

«Hail, Caesar!» (2016)

In einer Mischung aus Parodie und Hommage nähern sich die dem Absurden stets verbundenen Brüder Ethan und Joel Coen dem alten Hollywood-Kino in ihrer Starparade «Hail, Caesar!». Dreh- und Angelpunkt des Films ist der real existierende Manager Eddie Mannix (Josh Brolin), der hier in einer stark fiktionalisierten Form in den 1950er-Jahren als Problemlöser für sein Studio agiert und Skandale beherzt aus der Welt schafft. Gefragt sind seine Fähigkeiten einmal mehr, als der Schauspieler Baird Whitlock (George Clooney) vom Set des Monumentalschinkens «Hail, Caesar!» entführt wird.

Josh Brolin als Hollywood-Produzent in «Hail, Caesar!». © Universal Pictures International Switzerland

Die episodenhafte Erzählung über die goldene Ära Hollywoods ist ein schwelgerisches, detailversessen ausgestattetes Fest für die Augen. Der Film legt ein unaufgeregtes Tempo hin, reist durch unterschiedliche Genres und serviert den Zuschauer:innen einige Spitzen gegen die Marotten des Hollywood-Business. Zugleich betont «Hail, Caesar!» aber die Ausdruckskraft des Kinos. Hier und da hätte dem Ganzen etwas mehr Biss sicher gutgetan. Unterhaltsam ist es trotzdem, der prominenten Darstellerriege bei ihre genüsslich zelebrierten Selbstbeschau zuzusehen. Gelegentlich fliessen sogar handfeste gesellschaftliche und politische Aspekte, etwa die Jagd auf kommunistische Filmkünstler:innen unter Senator Joseph McCarthy, in das Geschehen ein.

«Once Upon a Time in… Hollywood» (2019)

Als leidenschaftlicher, selbst mit abseitigsten Ausprägungen vertrauter Fan des Kinos gab sich Kultregisseur Quentin Tarantino schon in früheren Werken zu erkennen. Seine ganze Liebe für das eigene Medium und dessen Vergangenheit bündelte der zweifache Oscar-Preisträger dann aber auf ultimative Weise in «Once Upon a Time in… Hollywood». Leonardo DiCaprio spielt hier den abgehalfterten Westernstar Rick Dalton, der sich im Jahr 1969 in einer wandelnden Branche nach neuen starken Rollen umsieht. Stets an seiner Seite: Sein Stuntman, Kumpel und Mädchen für alles Cliff Booth (Brad Pitt).

Gleich 10-mal für einen Oscar nominiert: «Once Upon a Time in… Hollywood». © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Der Titel verrät es schon. Tarantino geht es nicht um eine akkurate Rekonstruktion der abgebildeten Ära. Vielmehr vermischt er lustvoll Fakten mit erdachten Elementen und scheut nicht davor zurück, Geschichte umzuschreiben. Sein Umgang mit dem brutalen Mord an Roman Polanskis schwangerer Ehefrau Sharon Tate (Margot Robbie) durch die fanatische Manson-Sekte ist ähnlich kühn wie das Ende von «Inglourious Basterds» (2009) und kann durchaus kritisch gesehen werden. Was «Once Upon a Time in… Hollywood» von vielen anderen Werken über das Unterhaltungsgeschäft abhebt, ist das Fehlen eines zielgerichteten Plots. Das Herz des Films bildet das Buddyduo Rick und Cliff. Tarantino nutzt die über zweieinhalbstündige Laufzeit jedoch regelmässig, um den Zuschauer auf Seitenwege zu führen und in die Arbeitsprozesse der Traumfabrik abzutauchen. Wie die Coen-Brüder in «Hail, Caesar!» durfte er dabei ausstattungstechnisch bemerkenswerten Aufwand betreiben.

Auf Cineman.ch stellen wir Dir weitere Filme und eine Serie vor, die sich mit Hollywood beschäftigen: Jetzt weiterlesen.

Übrigens: Wer zu den grossen Hollywood-Stars der Zukunft zählt, haben wir Dir in einem weiteren Artikel zusammengestellt.