Filme zum Frauentag 2023

Frauentag 2023: Starke weibliche Charaktere in Film und Fernsehen

Beitrag von Christopher 03.03.2023 8 Minuten 0

Wir schreiben 2023, und noch immer haben es weibliche Figuren auf der grossen Leinwand und dem kleinen Bildschirm schwer, sich gegen männliche Charaktere zu behaupten. Wer genau hinschaut, kann dennoch so manche komplexe, von Klischees befreite Protagonistin finden. Zum Internationalen Frauentag 2023 am 8. März möchten wir euch einige dieser starken, einprägsamen Heldinnen vorstellen.

«Fargo – Blutiger Schnee» (1996): Provinzermittlerin lässt nicht locker

Seit den Karriereanfängen der Filmemacherbrüder Ethan und Joel Coen taucht Frances McDormand regelmässig in ihren Werken auf. Nicht nur, weil sie mit Letzterem seit 1984 verheiratet ist. Auch wegen ihres schauspielerischen Könnens, das sie bereits in «Blood Simple» (1984), dem Kinodebüt der beiden Hollywood-Aussenseiter, aufblitzen liess. Ihren endgültigen Durchbruch hatte McDormand mit dem satirischen Provinzkrimi «Fargo – Blutiger Schnee», der ebenfalls unter Federführung ihres Mannes und ihres Schwagers entstand. Die von ihr verkörperte Marge Gunderson, eine Polizeichefin aus einem verschneiten Kaff im Norden der USA, betritt erst nach rund 30 Minuten die Bühne. Dennoch drückt die US-Mimin dem Film mit ihrer Darbietung den Stempel auf.

Ein Klassiker zum Frauentag 2023: Marge Gunderson ermittelt hochschwanger und mit eisernem Willen. ©Cineman

Wie sich McDormand als schwangere Ermittlerin etwas schwerfällig, aber trotzdem zielstrebig durch einen herrlich verrückten Entführungsfall wühlt, muss man einfach gesehen haben. Statt eines Bauerntrampels schenken uns die Hauptdarstellerin und die Coen-Brüder eine ebenso gutmütige wie scharfsinnige und ehr bestimmt auftretende Frau. Mit dieser können wir über die Absurditäten ihrer Nachforschungen lachen. Was Marge ausserdem so faszinierend macht: Ihr liebevolles Verhältnis zu Ehemann Norm (John Caroll Lynch), das spiessige Heimeligkeit erstaunlich sympathisch wirken lässt.

«Jackie Brown» (1997): Coole Stewardess legt alle rein

Quentin Tarantino wird häufig vorgeworfen, Frauen keine besonders prägnanten Rollen zu geben. In einigen Fällen trifft das zweifelsohne zu. Margot Robbie etwa bekommt in «Once Upon a Time in… Hollywood» (2019) als Sharon Tate nur wenig zu tun. Andererseits finden sich im Schaffen des Popkulturfans einige wirklich eindrucksvolle Heldinnen. Zum Beispiel in der Gaunerkomödie «Jackie Brown», die auf einem Roman Elmore Leonards basiert. Mit seiner Leinwandadaption setzt Tarantino der Blaxploitation-Legende Pam Grier ein Denkmal und bietet ihr eine Bühne für eine unglaublich lässige Show.

Filme zum Frauentag 2023
Ein Tarantino der anderen Art: «Jackie Brown». ©Miramax

Der Soundtrack ist toll. Die Zitate und Anspielungen machen Laune. Das Erzähltempo ist eigenwillig gemächlich. Zu einem echten Ereignis wird der Caper-Streifen aber erst durch das unangestrengte Spiel der Hauptdarstellerin und ihre mit allen Wassern gewaschene Flugbegleiterin, die Gangster und Polizei clever an der Nase herumführt. Für reichlich Charme sorgt nicht zuletzt der zurückhaltende Flirt zwischen Griers Titelfigur und dem hilfsbereiten Kautionsagenten Max Cherry (Robert Forster).

«Winter’s Bone» (2010): Jennifer Lawrence will Familienheim retten

Ihren grossen Durchbruch feierte Hollywood-Star Jennifer Lawrence mit Debra Graniks schmerzhaft eindringlichem Provinzdrama «Winter’s Bone» nach Daniel Woodrells gleichnamigem Roman. Setting der Geschichte ist ein White-Trash-Milieu im Hinterland Missouris. In diesem kämpft Lawrence als beharrliche Teenagerin gegen den Verlust des Familienheims und macht sich dafür auf die Suche nach dem verantwortungslosen Vater.

Frauentag 2023
Jennifer Lawrence verkörpert unerschrocken den bissigen Teeanger. ©Cineman

Die von ihr gespielte Ree Dolly ist ein Paradebeispiel für eine Jugendliche, die erstaunlich früh erwachsen werden muss. Sie lässt sich auch von den brutalen Umgangsformen ihres in kriminelle Machenschaften verwickelten Umfelds nicht von ihrer Mission abbringen. Für die unerschrockene Performance von Lawrence gab es völlig zu Recht zahlreiche Preise und Nominierungen.

«Merida – Legende der Highlands» (2012): Prinzessin mit Ecken und Kanten

Bis zum 13. Animationsfilm der Pixar-Schmiede mussten wir warten, um endlich eine weibliche Figur im Zentrum der Geschichte zu erleben. Mit Merida betrat 2012 eine Prinzessin das Parkett, wie man sie in einem Trickstreifen bis dahin nur selten gesehen hatte. Ungestüm, versiert in der Kunst des Bogenschiessens und nicht gewillt, sich angestaubten Traditionen zu unterwerfen. Die rothaarige Tochter des schottischen Königspaares lehnt eine Hochzeit über ihren Kopf hinweg ab und entfesselt auf ihrer Flucht einen folgenreichen Fluch.

Filme zum Frauentag
Zum Frauentag 2023 darf «Merida – Legende der Highlands» nicht fehlen. ©Cineman

Am Beispiel der selbstbewussten Heldin unterläuft «Merida – Legende der Highlands» starre Geschlechterrollen ab. Sie erzählt auf spannend-sensible Weise von den Fallstricken des Erwachsenwerdens und der Suche nach dem eigenen Weg. Ein visuell berauschendes Abenteuer, das viele andere Animationswerke über Prinzessinnen echt alt aussehen lässt!

«Elle» (2016): Isabelle Huppert trotzt Missbrauch

Für unbequeme, Grenzen sprengende Filme ist der Niederländer Paul Verhoeven seit jeher bekannt. Mit der Romanadaption «Elle» legte er 2016 aber vielleicht sein spannendstes Werk vor. Im Mittelpunkt: Eine von Isabelle Huppert gespielte Unternehmerin, die auf eine brutale Vergewaltigung in den eigenen vier Wänden nicht so reagiert, wie es ihr Umfeld erwartet. Statt sich in die Rolle eines Opfers zu begeben, lässt sie die Polizei aussen vor. Sie nimmt die Tat zum Anlass, ihr Leben neu zu ordnen, und wählt subtile Mittel, um sich an ihrem Peiniger zu rächen.

Frauentag 2023
«Elle» ist ein ausgezeichnetes Beispiel für starke, weibliche Charaktere in Film und Fernsehen. ©Cineman

Dass das oft stumpfe Rape-and-Revenge-Subgenre durchaus für irritierende Grautöne und erschütternde Überraschungen offen ist, unterstreicht wohl kein Film so gut wie «Elle». Die Protagonistin behält die Zügel in der Hand, stösst die Menschen um sie herum vor den Kopf und bleibt bis zum Schluss auf seltsam faszinierende Weise rätselhaft. Brillant ist neben den vielen ironisch aufgeladenen Details des schwarzhumorigen Thrillers die furchtlose Darbietung Isabelle Hupperts. Präzise, nuanciert, charismatisch – wie sie ihre keineswegs sympathische Figur anlegt, ist schlichtweg meisterhaft.

«The Handmaid’s Tale» (2017-heute): Kampf gegen totalitäres System

Basierend auf Margaret Atwoods gleichnamigem Dystopie-Klassiker erzählt die Hulu-Serie von einer jungen Frau namens June Osborne. Diese wird in einer nicht allzu fernen Zukunft in einem fundamentalistisch-totalitären System auf US-amerikanischem Boden als Gebärmaschine für ein Mitglied der Elite missbraucht. Ihrer grausamen Lage versucht sie, sich irgendwann zu entziehen.

Serien mit starken weiblichen Hauptcharakteren
Serien wie «The Handmaid’s Tale» repräsentieren vielfach starke weibliche Hauptcharaktere. ©Hulu

Konsequent beklemmend inszeniert «The Handmaid’s Tale» das von patriarchalem Macht- und Unterdrückungseifer geprägte Regime. In diesem ist weibliche Selbstbestimmung nicht mehr vorgesehen. Junes Rebellion gegen die Ausbeutung entwickelt durch das kraftvolle Spiel von Moss ein soghafte Wirkung. Während die erste Staffel der Serienadaption Atwoods Vorlage folgt, spinnen die weiteren Kapitel den Romanstoff durchaus packend weiter.

«Bad Banks» (2018-2020): Paula Beer im Haifischbecken des Finanzmarktes

Spätestens seit der globalen Finanzkrise von 2007 und 2008 stehen die Prozesse an der Börse in Film und Fernsehen vermehrt unter kritischer Beobachtung. In die Welt des grossen Geldes und der skrupellosen Schachzüge entführt uns auch die deutsch-luxemburgische Erfolgsserie «Bad Banks». Paula Beer spielt hier die junge Investmentbankerin Jana Liekam. Diese wirft sich mit viel Ehrgeiz und einer ordentlichen Portion Durchsetzungskraft in das Haifischbecken.

Serien zum Frauentag
Eine deutsche Serien-Produktion für den Frauentag 2023:«Bad Banks» ©ZDF

In der ersten Staffel setzt sie alles daran, sich zu etablieren, und muss auf die Forderungen ihrer Ex-Chefin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) reagieren. Interessant ist die als Thriller-Drama angelegte, ohne platte Erklärdialoge auskommende und in atmosphärische Bilder getauchte Geschichte vor allem deshalb, weil sie neben der Protagonistin weitere weibliche Figuren in einem männlich geprägten Umfeld in den Fokus rückt. Ihnen allen gestehen die Macher, was leider noch immer nicht selbstverständlich ist, differenzierte Charakterprofile zu.

«Killing Eve» (2018-2022): Erotisches Katz-und-Maus-Spiel

Auch das Spionagegenre ist vor allem eins: von Männern dominiert. Umso erfrischender sind Erzählungen wie die Serie «Killing Eve», die auf den Romanen des britischen Schriftstellers Luke Jennings basiert. Sarah Oh verkörpert die frustrierte Agentin Eve Polastri. Diese macht für eine klandestine Abteilung des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 Jagd auf die psychopathische Auftragsmörderin Villanelle (Jodie Comer).

Starke weibliche Charaktere in Serien
In «Killing Eve» trifft doppelte Frauenpower aufeinander. ©AMC

Die beiden Frauen entwickeln eine zunehmend erotisch aufgeladene Obsession füreinander und stechen damit aus dem Gros der Agentengeschichten heraus. Passend zur Frauenpower, die die Literaturadaption mit ihren alles andere als glattgebügelten Protagonistinnen versprüht, wurden alle vier Staffeln von Headautorinnen betreut. Für etwas Unmut, auch bei Vorlagenschöpfer Jennings, sorgte das Finale der Serie, das, so die Kritik, nicht mutig genug ausgefallen sei.

Frauentag 2023: Themenwelt mit Filmen rund um starke weibliche Hauptcharaktere

Am 8. März feiert die Welt den Internationalen Frauentag. Auch wir wollen zelebrieren und haben deswegen eine Frauentags-Themenwelt für Dich erstellt, in denen Du zahlreiche Filme findest, die sich um inspirierende weibliche Charaktere drehen.

Zum internationalen Frauentag zelebriert Teleboy inspirierende weibliche Charaktere mit einer eigenen Themenwelt.

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