Knifflig und vertrackt – Murder Mysterys mit dem gewissen Etwas

von Marketing

Unaufhörlich werden Mord und Totschlag in Film und Fernsehen zu Unterhaltungszwecken aufbereitet. Krimis, wohin man schaut. Stets zum Mitfiebern und Miträtseln einladend. Wer sich dafür begeistern kann, sollte sich den Überraschungshit «Knives Out» nicht entgehen lassen. Der Murder Mystery ist am 27. Juni 2022, um 20.30 Uhr auf ARD zu sehen ist. Die Ausstrahlung wollen wir nutzen, um neben dieser Perle aus dem Jahr 2019 weitere raffinierte, witzige und originelle Werke ähnlicher Bauart vorzustellen. Murder Mysterys mit dem gewissen Etwas halt!

Abschlusstwist zum Staunen: «Die üblichen Verdächtigen» (1995)

Wer über das unzuverlässige Erzählen im Film sprechen will, kommt an Bryan Singers «Die üblichen Verdächtigen» nicht vorbei. Gegenstand des Plots ist eine Schiesserei mit vielen Toten, deren Hintergründe in einem Polizeiverhör zu Tage gefördert werden sollen. Völlig zu Recht erhielt Skriptlieferant Christopher McQuarrie für seine fintenreiche, von Anfang bis Ende klug durchkomponierte Geschichte den Oscar in der Kategorie «Bestes Originaldrehbuch».

Murder Mystery mit einem Ende zum Staunen: «Die üblichen Verdächtigen». ©Cineman

Erst ganz am Ende fallen alle Puzzleteile an ihren Platz. Und man begreift plötzlich, wie sehr man dem Gesagten und Gezeigten auf den Leim gegangen ist. Auch wenn die Figuren in diesem Konstrukt unter dem Strich nicht viel mehr als Funktionsträger:innen sind. Nach einem der wohl berühmtesten Schlusstwists der Kinogeschichte bleibt man perplex zurück und möchte den Film gleich noch einmal schauen, um alle Hinweise auf die finale Wendung zu entdecken. Befinden sie sich doch teilweise direkt vor unseren Augen. Was «Die üblichen Verdächtigen» auf jeden Fall verdeutlicht: Sich manipulieren und reinlegen zu lassen, kann so unterhaltsam sein!

Raffiniertes Spiel mit dem Publikum: «Der unsichtbare Gast» (2016)

Schon mit seinem Regiedebüt, dem clever gebauten Thriller «El cuerpo» (2012), demonstrierte Oriol Paulo, wie man das Publikum geschickt an der Nase herumführt. Auch sein zweiter Spielfilm «Der unsichtbare Gast» erweist sich als klug konstruiertes Verwirrspiel, das die vor allem durch Edgar Allan Poe berühmt gewordene Locked-Room-Thematik auf pfiffige Weise aufgreift. Ein erfolgreicher Geschäftsmann (Mario Casas), der in einem von innen abgeschlossenen Hotelzimmer neben der Leiche seiner Geliebten (Bárbara Lennie) aufgewacht ist, muss vor Gericht seine Unschuld beweisen. Helfen soll ihm dabei eine knallharte Anwältin (Ana Wagener), die in einem Vier-Augen-Gespräch mit ihrem Mandaten zur ganzen Wahrheit vordringen will.

Murder Mystery mit viel Nervenkitzel: «Der unerwartete Gast!». ©Film Factory Entertainment

Bereits die Rahmenhandlung um den Verdächtigen und seine Rechtsvertreterin erzeugt handfesten Nervenkitzel. In den Rückblenden schliesslich entfacht der auch für das Skript verantwortliche Paulo ein Feuerwerk an unerwarteten Wendungen und hochintensiven Szenen. Sicher ist hier nur eins: Den erzählenden Figuren ist nicht über den Weg zu trauen. Das Gezeigte ist stark subjektiv gefärbt. Und wie sagt die energische Juristin so schön: «Achten Sie auf jedes Detail!» Allerdings: Selbst wenn man diese Aufforderung beherzigt, ist keineswegs garantiert, dass man die starke Schlusspointe vorhersieht.

Retrocharme und knackige Dialoge: «The Nice Guys» (2016)

Nachdem er in «Kiss Kiss, Bang Bang» bereits dem Noir-Kino und seinen Held:innen ein Denkmal setzte, arbeitet sich Shane Black mit «The Nice Guys» erneut an grundlegenden Elementen des Detektivgenres ab. Im Los Angeles des Jahres 1977 begeben sich ein gebeutelter Privatermittler (Ryan Gosling), dessen minderjährige Tochter (Angourie Rice) und ein Auftragsschläger (Russell Crowe) auf die Suche nach einen verschwundenen Frau – und landen im Herz einer weit verzweigten Intrige.

Ungleiche Typen: Ryan Gosling und Russell Crowe im Murder Mystery «The Nice Guys». ©Elite Film

Sein mit viel Retrocharme angereichertes Setting erweckt der Film überzeugend zum Leben und kann sich auf das lässige Zusammenspiel Goslings und Crowes verlassen. Fans knackiger Dialoge kommen auf ihre Kosten. Und in das actionreich-dynamische Geschehen mischen sich immer mal wieder deftige Gewaltausbrüche. Das Komödiantisch-Überdrehte hat hier gegenüber echter Spannung den Vorrang – was aber nicht schlecht sein muss…

Zwischen altmodisch und modern: «Knives Out» (2019)

Nach dem Mord an einem steinreichen Krimischriftsteller (Christopher Plummer) findet sich in dessen prunkvoller Villa ein geheimnisvoller Privatdetektiv (Daniel Craig) ein. Aus den Gesprächen mit den anwesenden Verwandten und dem Hauspersonal kristallisieren sich schnell zahlreiche Motive für die Tat heraus. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson («Star Wars: Die letzten Jedi», 2017) gelingt mit seinem Rätselspass ein toller Spagat. Einerseits folgt er mit seinem Haken schlagenden Plot und seiner Begrenzung auf wenige Schauplätze etablierten Genremustern in der Tradition Agatha Christies. Andererseits verpasst er seinem klassischen Murder Mystery durch Metawitze und gesellschaftskritischen Einwürfe einen frischen Anstrich.

Murder Mystery mit Staraufgebot: «Knives Out». ©Elite Film

Dass der über zwei Stunden lange Film kein bisschen langweilig wird, liegt auch am prominenten Ensemble. Daniel Craig, Ana de Armas, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Michael Shannon, Don Johnson, Toni Collette und Christopher Plummer drehen teilweise richtig auf und reizen ihre Rollen aus. Selbst Krimimuffel könnten da ihre Freude haben!

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