
Second Screen: Zwischen Sofa und Smartphone
Serien auf dem Fernseher, Chats auf dem Smartphone – für viele ist das längst Alltag. Das sogenannte «Second Screen»-Verhalten beschreibt genau dieses Phänomen: Wir nutzen zwei Bildschirme gleichzeitig und konsumieren doppelt. Doch was macht diese parallele Mediennutzung mit unserer Aufmerksamkeit, unserem Fernseherlebnis und unserem Alltag? In diesem Artikel erfährst Du, warum wir Serien schauen und dabei ständig zum Handy greifen – und wie Du bewusster damit umgehen kannst.
Was bedeutet Second Screen?
«Second Screen» beschreibt die parallele Nutzung eines zweiten digitalen Geräts – meistens ein Smartphone oder Tablet – während Du gleichzeitig auf einem Hauptbildschirm Inhalte konsumierst, wie eine Serie auf Teleboy zu schauen. Während der Film läuft, scrollst Du beispielsweise durch Social Media, verschickst eine kurze Message über WhatsApp oder durchstöberst Deinen Lieblings-Onlineshop. Das passiert meist ganz nebenbei und unbewusst. Dieses Multitasking-Verhalten ist inzwischen so verbreitet, dass es in der Medienforschung als eigenständige Form der Mediennutzung gilt.

Wie häufig nutzen wir den Second Screen?
Second Screen ist längst kein Randphänomen mehr – viele Menschen nutzen beim Fernsehen nebenbei ihr Smartphone oder Tablet. Verschiedene Studien zeigen, wie verbreitet dieses Verhalten inzwischen ist:
Laut einer Befragung von SevenOne Media (2013) nutzen über 50 % der Deutschen Fernsehen und Internet regelmässig parallel. Eine Studie von Viacom (2013) ergab, dass zwar oft Second Screens genutzt werden, aber nur etwa ein Drittel davon tatsächlich sendungsbezogene Inhalte sucht.
Laut TNS Infratest (2013) surfen viele nebenbei hauptsächlich auf Social Media oder bearbeiten E-Mails – unabhängig vom laufenden Programm. InteractiveMedia und United Internet Media (2013) unterscheiden zudem verschiedene Multi-Screener-Typen: Einige nutzen Second Screens aktiv zur Informationssuche, andere hauptsächlich zur Unterhaltung oder für soziale Interaktionen.

Warum greifen wir ständig zum Handy?
Die Gründe für Second Screen Nutzung sind vielfältig:
- Informationsdurst: Du möchtest mehr über Schauspieler:innen, Handlungsstränge oder Songs wissen.
- Soziale Verbindung: Parallel auf Social Media mit Freunden chatten, um Zusammenhalt zu spüren.
- Gewohnheiten und Langeweile: Kurze Serienpausen oder langsame Szenen verleiten zum Scrollen.
- Multitasking-Gefühl: Das Handy gibt Dir das Gefühl, produktiv oder informiert zu bleiben.
- Angst, etwas zu verpassen (FOMO): Auch die sogenannte „Fear of Missing Out“ spielt eine Rolle: Wir wollen keine Nachrichten, Posts oder Trends verpassen.
Welche Auswirkungen hat der «Second Screen» auf unser Seherlebnis?
So praktisch das Multiscreening wirkt – es hat auch seine Schattenseiten:
- Weniger Aufmerksamkeit: Second Screening kann die Aufmerksamkeit auf die Hauptsendung verringern, da viele Aktivitäten am zweiten Gerät nichts mit dem laufenden Programm zu tun haben.
- Geringere emotionale Bindung: Wer nebenbei chattet, erlebt die Geschichte weniger intensiv und kann sich weniger darauf einlassen.
- Erhöhte kognitive Belastung: Ständiges Wechseln zwischen Inhalten kann Stress verursachen und das Gehirn ermüden.
- Schlechtere Erinnerung: Inhalte werden schlechter abgespeichert – Du erinnerst Dich nach dem Binge-Watching oft nur bruchstückhaft an Serienhandlungen.
Wie kannst Du bewusster mit Second Screen Nutzung umgehen?
Ganz abschalten musst Du Dein Handy nicht – aber ein bewussterer Umgang kann helfen:
- Aktive Entscheidungen treffen
Überlege Dir vor dem Serienstart: Willst Du heute wirklich nebenbei Nachrichten lesen? Oder die Folge konzentriert geniessen? - Bewusste Pausen einplanen
Wenn Du zwischendurch aufs Handy schaust, dann lieber gezielt in Serienpausen oder Cliffhangern – nicht während intensiver Dialoge. - Bildschirmfreie Serienabende einlegen
Probiere aus, einen Abend pro Woche das Handy in den Flugmodus zu schalten. Du wirst sehen: Serien wirken intensiver und emotionaler. - Nutzung smarter Apps
Es gibt Apps wie „Forest“, die Dein Handy in Serienzeiten sperren oder Dich sanft erinnern, wieder zum Hauptbildschirm zurückzukehren.

Finde Deine Balance
«Second Screen»-Nutzung ist Teil unseres modernen Medienverhaltens – und oft praktisch und bereichernd. Trotzdem lohnt es sich, hin und wieder bewusst auf nur einen Bildschirm zu setzen, um Filme und Serien intensiver zu erleben. Es geht nicht darum, «Second Screening» zu verteufeln, sondern eine gesunde Balance zwischen Multitasking und bewusstem Mediengenuss zu finden.
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Quellen
https://www.mdr.de/medien360g/medienwissen/warum-wir-so-oft-zum-Smartphone-greifen-100.html
https://www.ard-media.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2014/02-2014_Fodi.pdf