Teleboy bloggt

Der reinste Horror...

Fr, 26.06.2015, Yvonne Lichtsteiner

Kein anderes Filmgenre ruft solch starke Emotionen hervor: Die einen mögen es, wenn Horrorfilme subtil und psychologisch-verstörend sind, den anderen kann es nicht blutig genug sein. Um dem Geschmack beider gerecht zu werden, lädt ZDFneo zum Dauergruseln ein und zeigt einen Monat lang Horrorfilme jeden «couleurs».

Eden Lake 4.7., 23:20 Uhr, ZDFneo

Zugegeben, niemand wünscht sich wohl, zu später Stund' alleine in einer dunklen Parkgarage zu stehen und dort auf einen Serienmördern zu treffen, der einem mit einer Maske aus Menschenhaut auf dem Gesicht und einer elektrischen Kettensäge in der Hand entgegenrennt. Der blanke Horror. Und dennoch lassen sich Millionen von Menschen gerne - und vor allem freiwillig - in Angst und Schrecken versetzen - allerdings bloss im Kino oder zu Hause vor dem Bildschirm. Wieso aber tut man sich das an? Wieso faszinieren Horrorfilme die Menschen dermassen? Weil die Angst eine der stärksten Emotionen ist, im realen Leben meist einen unangenehmen Grund hat und als direkter Kanal zum Unterbewusstsein gilt. Im Gegensatz zu realem Horror, kann ein Serienmörder, kurz bevor er zusticht, einfach per Klick auf den Pausenknopf gestoppt werden. Kurz: Die Angst, die beim Schauen eines Horrorfilms entsteht, ist kontrollierbar.

Horror ist aber nicht gleich Horror, er hat viele Gesichter und kann in Form von Geistern, gefährlichen Fantasiegestalten, sadistischen Mördern oder menschenfressenden Riesentieren auftreten. Einer der ersten Horrorfilme überhaupt, war Mary Shelleys «Frankenstein», der bereits 1910 als Stummfilm verfilmt wurde. Seither wird jedes Jahrzehnt ein anderes Objekt des Schreckens in den Mittelpunkte gerückt. Während es in den 1940er-Jahren noch der Werwolf war, löste ihn in den 1960er-Jahren der Vampir ab, der bis heute noch immer ein beliebtes Horror-Sujet abgibt. So kämpft nicht nur George Clooney in From Dusk Till Dawn (27.6., 00:00 Uhr) gegen Vampire, auch Hugh Jackman wagt sich in Van Helsing (27.6., 20:15 Uhr) an den Blutsauger. Die 1960er-Jahre waren vor allem aber von Alfred Hitchcock, dem «Master of Suspense» geprägt: Er schuf mit seinen subtilen und dennoch aufwühlenden Filmen wie «Psycho» oder Die Vögel (11.7., 21:35 Uhr) Werke, die heute als absolute Klassiker gelten. Aus seiner kreativen Feder stammen weitere Psycho-Thriller wie Topas (11.7., 23:30 Uhr) Der zerrissene Vorhang (11.7., 1:30 Uhr), Cocktail für eine Leiche (11.7., 3:35 Uhr).

In den 1970er-Jahren mussten Serienmörder wiederum verrückt gewordenen Tieren weichen. Ab sofort übernahmen Schlangen, Riesenameisen, Schnecken oder Haie die Hauptrollen in Horrorfilmen. Vorreiter war Steven Spielbergs «Der weisse Hai», der den «Tierhorror» bekannt machte. Heute lässt sich von Riesenwürmern wie in Im Land der Raketenwürmer (27.6.,1:35 Uhr), über Mutanten-Katzen in «Katzenmenschen» (1.8., 2:25 Uhr), bis hin zu gigantischen Spinnen in Tarantula (27.6., 4:40 Uhr) alles auf der Leinwand finden, was «kreucht und fleucht». «Der Exorzist» brachte 1973 eine weitere Ausgeburt des Bösen auf die Leinwand: Im Körper eines jungen Mädchens gefangen, treibt der Antichrist zum Beispiel in «The Unborn» (1.8., 23:40 Uhr) oder in der turbulente Persiflage Von allen Geistern besessen (11.7., 20:15 Uhr), sein Unwesen.

Nachdem noch vor 40 Jahren möglichst viel Blut das Erfolgsrezept für Horrorfilme war, stolpert man heutzutage meist über weniger Blut, dafür um so mehr Psycho-Spiele. So wie zum Bespiel im inzwischen zum Kultfilm avancierten kanadische Horrorfilm «Cube» (1.8., 00:55 Uhr): Darin finden sich sechs Menschen in einem seltsamen, würfelartigen Gebilde wieder und stossen bei ihren verzweifelten Fluchtversuchen auf tödliche Fallen. Ganz ohne Vampir, Werwolf oder Serienmörder kommen auch die Horror-Schocker Eden Lake (4.7., 23:20 Uhr) und Turistas - Mörderisches Paradies (4.7., 22:00 Uhr) aus: Beides sind Filme, die einem eine anfängliche Idylle vorgaukeln, nur um die Protagonisten später qualvoll leiden zu lassen. Dabei ist der blanke Horror so realistisch inszeniert, dass einen die Filme noch lange nach dem Ende nicht loslassen.

Und weil in keiner Horrorfilm-Reihe verstörende, nervenzerfetzende, und psychotische Charaktere fehlen dürfen, gibt es mit «Gothika» (1.8., 22:05 Uhr), «Rosewood Lane» (25.7., 23:45 Uhr) und «Labyrinth der Monster» (25.7., 2:20 Uhr) gleich drei Filme, die tief ins Unterbewusstsein eindringen und dort die schlimmsten Albträume wahr werden lassen.

Teleboy bloggt - weitere Beiträge

Bild zu: «Bright Star - Meine Liebe. Ewig»

Teleboy bloggt | Mi, 17.06.2015

«Bright Star - Meine Liebe. Ewig»

Oscar-Preisträgerin Jane Campion erzählt eine zart-melancholische Ballade über die Liebe und die Kunst im England des 19. Jahrhunderts. mehr...

Bild zu: «Oslo, 31. August»

Teleboy bloggt | Mi, 10.06.2015

«Oslo, 31. August»

Das norwegische Drama von Regisseur Joachim Trier ist eine fesselnde Charakterstudie eines suizidalen Ex-Junkies - wir haben die Filmkritik. mehr...

Bild zu: Liebeserklärung an Brigitte Bardot

Teleboy bloggt | Fr, 05.06.2015

Liebeserklärung an Brigitte Bardot

Mit ihrer blonden Mähne und dem Schmollmund verströmte keine andere Schauspielerin in den 1960er-Jahren mehr Sexappeal auf der Leinwand. mehr...