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«Bright Star - Meine Liebe. Ewig»

Mi, 17.06.2015, Yvonne Lichtsteiner

Eine unglückliche Liebe, eine tragische Krankheit und ein grosses künstlerisches Vermächtnis: Oscar-Preisträgerin Jane Campion erzählt im Drama die wahre Liebesgeschichte zwischen einem romantischen Dichter und einer einfachen Schneiderin.

Bright Star, 22.6., 00:50 Uhr, SRF1

Die Geschichte des britischen Dichters John Keats hätte zweifellos das Zeug zu einem bombastischen, emotional bis zum Bersten aufgeladenen Biopic, wie es Hollywood gerne den Grossen dieser Welt spendiert. Doch in den Händen von Oscar-Preisträgerin Jane Campion, die mit ihrem vielfach ausgezeichneten Meisterwerk «Das Piano» ein Millionenpublikum begeisterte, wird etwas gänzlich Anderes aus Bright Star. Der konkrete, individuelle Lebensweg des ebenso zarten wie schwermütigen Keats (Ben Whishaw) spielt in Jane Campions Film keine allzu grosse Rolle. Entsprechend beginnt der Film aus der Perspektive der jungen Schneiderin Fanny Brawne (Abbie Cornish), die Anfang des 19. Jahrhunderts seine Bekanntschaft macht, als er eine Weile in ihrer Nachbarschaft bei seinem Bekannten Mr. Brown (Paul Schneider) unterkommt. Obwohl sie keinerlei Interessen teilen, ist die 17-Jährige fasziniert von dem ernsthaften Poeten, und auch er blüht sichtlich auf in der Gesellschaft des ebenso hübschen wie forschen Mädchens.

Die aufkeimende Liebe des auch vom Temperament her unterschiedlichen Paares steht allerdings unter keinem guten Stern. Brown warnt Keats vor Fannys mangelndem Intellekt, Mutter Brawne (Kerry Fox, in Campions «An Angel At My Table» vor 20 Jahren selbst die junge Protagonistin) dagegen sträubt sich gegen einen verarmten Schwiegersohn. Immer wieder stellen auch räumliche Trennungen das Glück der beiden auf die Probe - und als Keats schliesslich an Tuberkulose erkrankt, scheint ein Happy-End endgültig unmöglich.

«Bright Star» ist nicht nur kein Biopic, das die Lebensstationen seines Protagonisten routiniert abhakt, sondern auch vieles andere nicht, was er in den Händen einer schwächeren Regisseurin hätte werden können. Genauso wenig wie sie sich auf Keats Entwicklung konzentriert, macht Campion aus dem Film eine moderne Emanzipationsgeschichte Fannys, die zwar ihr Glück einfordert, aber dennoch unverkennbar ein Kind ihrer Zeit ist. Und vor allem ist das romantische Drama, dessen Titel sich einem für Fanny geschriebenen Gedichts von Keats verdankt, alles andere als kitschig: eine bemerkenswerte Leistung in Anbetracht all der Blumen, Schmetterlinge und Schneeflocken, die seine Bilder bevölkern.

Stattdessen ist «Bright Star» eine wunderschöne, zart-melancholische Ballade über die Liebe und die Kunst, die von ihren beiden fantastischen, äusserst nuancierten Hauptdarstellern getragen und von Campion ohne grosse Handlung, aber mit enormem Gespür für Leinwandpoesie und einem genauen Blick für Milieu- und Gesellschaftsdetails inszeniert wird. Am Montag, dem 22. Juni läuft das Liebesdrama um 00:50 Uhr auf SRF1.

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