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«Oslo, 31. August»

Mi, 10.06.2015, Peter Osteried

Ein Mann, eine Stadt, 24 Stunden... Das norwegische Drama von Joachim Trier erzählt von einem jungen Mann, der nach Jahren des Drogenkonsums clean ist. Er will die Scherben seines Lebens wieder auflesen, droht dabei aber zu scheitern.

Oslo, 31. August, 15.6., 21:55 Uhr, Arte

«Ich bin 34 Jahre alt. Ich habe nichts.» Das ist die Selbsteinschätzung von Anders (Anders Danielsen Lie), der in zwei Wochen eine Entziehungskur in einer Drogenklinik beenden wird. Noch ist die Rehabilitation nicht ganz abgeschlossen, aber er darf sich einen Tag freinehmen. Nun ist Anders zurück in Oslo, der Stadt, deren Versuchungen er früher nicht widerstehen konnte. Zurück bei seinen Freunden, die ihr Leben inzwischen ohne ihn weitergelebt haben. Den Weg zurück in sein Leben geht Anders unbeirrbar bis zur letzten Konsequenz. Zuerst besucht er einen Freund, der ihm den Glauben an sich selbst zurückzugeben will. Dann will er seine Schwester sehen, aber sie versetzt ihn. Zuletzt besucht er die Party von zwei alten Freunden. Doch mit jedem Moment in der Normalität wird dem Mittdreissiger klar, dass er sich immer weiter von der Gesellschaft entfernt hat und seine Sucht ein ewiger Quell der Versuchung ist, der er kaum zu widerstehen vermag.

Oslo, 31. August beschäftigt sich mit einem Menschen, der innerlich zerbrochen ist. Anders sucht nach einem Sinn in seinem Leben, einen Grund weiterzuleben. Er wendet sich an seine Vergangenheit, die Menschen, die ihm wichtig sind. Aber deren Leben gingen weiter. Sie sind an einem gänzlich anderen Punkt als er. Während sein Leben ohne Vergangenheit ist und keine Zukunft hat. Der Kern des Films ist die Hoffnungslosigkeit eines Menschen, der von dieser Welt abgenabelt ist. In einer Schlüsselszene sitzt Anders in einer Cafeteria und lauscht den Gesprächen der Menschen um ihm herum. Er hört leere Phrasen, ausgehöhlte Träume, aber sie alle machen deutlich: Das Leben dieser Menschen geht weiter, seines stoppte. Doch Leben ist Entwicklung, Stagnation bedeutet den Tod.

Die Hauptfigur wandelt wie ein Geist durch Oslo. Lässt der Film anfangs noch die Hoffnung keimen, dass Anders sein Leben herumreissen kann, so verfestigt sich schnell die Erkenntnis, dass dieser schicksalhafte Tag im Leben eines Verlierers der letzte sein könnte. Das Drama schmeckt auch deshalb so bitter, weil man einer Hauptfigur zusieht, die sich selbst aufgegeben hat.

Auf den ersten Blick erscheint «Oslo, 31. August» sehr einfach gestaltet - durch und durch trist. Aber Regisseur Joachim Trier fängt damit die innere Leere seines Protagonisten ein. Er nutzt eine kunstvolle Kamera, die Anders nie im Mittelpunkt stehen lässt. Sie zieht an ihm vorbei - so wie das Leben, so wie die Menschen. In seiner minimalistischen Wirkung ist dies ausgesprochen elegant. Ein verstörender und intimer Blick in die Seele eines Menschen. Kraftvoll, aber schwer zu verdauen. Am Montag, dem 15. Juni läuft der norwegische Film ab 21:55 Uhr auf Arte.

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