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Hommage an Kurt Früh

Mi, 01.04.2015, Selina Lau-Schmidiger

Kurt Früh prägte mit seinen sozialkritischen Dramen von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre das Schweizer Filmschaffen massgeblich mit. Zu seinem 100. Geburtstag zeigen SRF1 und 3sat einige seiner bis heute zeitlos gebliebenen Filme.

Kurt Früh wird gerne als «Pendler zwischen den Welten» bezeichnet - so bewegte er sich zwischen dem Spiel- und Auftragsfilm, dem Theater, dem Fernsehen und dem Hörspiel. Er arbeitete als Schauspieler, Autor und Regisseur an der Zürcher Volksbühne, später fürs Schweizer Fernsehen und entwarf so manche Hörspiele. Zum Filmschaffen kam er allerdings bereits 1949, als er als Regieassistent von Leopold Lindtberg («Die letzte Chance») die ersten Erfahrungen sammelte. Schon 1955 entstand dann sein erster eigener abendfüllender Spielfilm Polizist Wäckerli (5. April, 13:35 Uhr auf 3sat), der typisch Kurt Früh, nebst Dramatischem auch viele lustige Episoden enthält und bis heute zeitlos geblieben ist.

Bis in die 1970er-Jahre war Kurt Früh aus dem Schweizer Filmschaffen nicht mehr wegzudenken, denn seine Filme bildeten einen Gegenpol zu den in den 1950er- und 1960er-Jahren bevorzugten Heimatfilmen. Seine Filme sind sozialkritisch und mitten aus dem Leben gegriffen. Er thematisierte die Probleme der wachsenden Konsumgesellschaft und hielt regelmässigen Kontakt zu den Obdachlosen Zürichs. Seine Filme polarisierten, denn sie zeigten nicht das übliche idealisierte, unpolitische Bild einer makellosen Schweiz. Dennoch sind Frühs Filme trotz ihres Realitätsbezugs oft sehr melodramatisch, wie auch sein zweiter Film von 1956 Oberstadtgass (am 8. April, 14:30 Uhr auf 3sat).

Kurt Frühs bekanntester und gleichzeitig persönlichster Film ist Bäckerei Zürrer von 1957 (am 17. April, 00:05 Uhr auf SRF1, unter dem deutschen Titel Konditorei Zürrer bereits am 6. April, 13:25 Uhr auf 3sat). Er zeigt nicht nur das quirlige Leben in der Stadt Zürich anno dazumal, sondern betrachtet auch die Angst der Schweizer vor dem Fremden, wie den Zuwanderern und Gastarbeitern aus dem Süden. Mit diesem Thema ist «Bäckerei Zürrer» bis heute aktuell und zeitlos geblieben. In diesem Werk bekommen zudem die drei in Kurt Frühs Filmen wiederkehrenden Clochards, die in der Welt der Kleinbürger platziert werden und dort am traditionellen Gedankengut der Schweizer Kritik üben, ihren ersten Auftritt.

In Es Dach überem Chopf (auf 3sat unter dem Titel Ein Dach über dem Kopf, am 8. April um 16:05 Uhr) demonstrierte Kurt Früh 1962 anhand einer verwahrlosten Familie, die in einer Baracke am Stadtrand lebt, dass ein Umzug auf den noblen «Züriberg» Wunder bewirken kann.

Am 12. April 2015 wäre Kurt Früh hundert Jahre alt geworden. Als Hommage an den Schweizer Künstler und Regisseur liess das Schweizer Fernsehen seinen Kultfilm Hinter den sieben Gleisen von 1959 restaurieren und zeigt die Fassung erstmals am 10. April um 22:25 Uhr auf SRF1. Er handelt von einem deutschen Dienstmädchen, das alleine in einem Schuppen ein Kind zur Welt bringt. Bald schon kümmern sich drei Clochards liebevoll um die beiden. Zu Kurt Frühs Geburtstag am 12. April strahlt SRF1 den Dokumentarfilm Licht und Schatten - Der Filmemacher Kurt Früh aus. Nebst den oben genannten Filmen zeigt 3sat zusätzlich die Komödie Im 42. Himmel, die auch unter dem Titel Krach im Standesamt bekannt ist (7. April, 14:50 Uhr), und SRF1 Kurt Frühs Klassiker Dällebach Kari (14. April, 14:05 Uhr), den weiteren Kleinbürgerfilm Im Parterre links (18. April, 15 Uhr), seinen letzten Film Der Fall (15. April, 00:10 Uhr) sowie Kurt Früh Reloaded, Kurzfilme der Zürcher Hochschule der Künste, die sich ebenfalls Kurt Frühs Werk widmen (22. April, 00:10 Uhr).

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