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Matthias Schweighöfer: Schweigerklon?

Do, 26.03.2015, Yvonne Lichtsteiner

Den Traum einer jeder Schwiegermutter verkörpernd, wird Strahlemann und Schauspieler Matthias Schweighöfer neben Til Schweiger heute auch als wichtigster deutscher Mainstream-Filmemacher gehandelt. Einen entscheidenden Unterschied gibt es dennoch zwischen Schweighöfer und Schweiger...

Schlussmacher, 03.04., 20:15 Uhr, ORF1

Mit seinen gerade einmal 34 Jahren hat Matthias Schweighöfer schon vieles erreicht, wovon manche nur träumen können. Die Fassede des Strahlemanns aber mag täuschen, denn er hat es durchaus faustdick hinter den Ohren: So mauserte er sich über die Jahre vom Welpenblick-Schweighöfer zum gestandenen Multitalent-Schweighöfer und ist inzwischen nicht nur erfolgreicher Schauspieler, sondern auch Synchronsprecher, Regisseur und Produzent. Ausserdem schaffte er neben Til Schweiger, Daniel Brühl und Diane Kruger den Sprung über den grossen Teich und wirkte in internationalen Filmen mit. Und dennoch: Trotz einigen Jahren Schauspiel-Erfahrung auf dem Buckel, sieht der Junge mit der prägnanten «Berlinerschnauze» und dem blonden Lockenkopf noch immer wie 17 aus und hat das innere Kind nicht vergessen.

Bereits in der Schule sammelte er als Kind eines Schauspielerpaares erste Bühnenerfahrung. Die darauffolgende Schauspielschule in Berlin brach er aber nach nur einem Jahr wieder ab. Der Erfolg sollte ihn auch ohne diese Ausbildung verwöhnen, denn bereits mit 16 Jahren stand er das erste Mal für einen Fernsehfilm vor der Kamera - kleinere Auftritte folgten. 2001 mit dem Preis für den besten deutschen Nachwuchsschauspieler bewaffnet, erlangte er zwei Jahre später den Druchbruch mit Soloalbum (Sonntag, 29. März, 00.10 Uhr, ATV): In der Verfilmung des Bestsellers von Benjamin von Stuckrad-Barre spielte er an der Seite von Nora Tschirner einen Mittzwanziger, der in Berlin als Redaktor für eine Musikzeitschrift arbeitet. Als seine Freundin ihn verlässt, erweist er sich ausserstande, mit dem Verlust umzugehen. Bei einem Preis blieb es nicht, denn nach und nach räumte Schweighöfer weitere wichtige Auszeichnungen ab, darunter den Bambi, den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Henne sowie die Goldene Kamera oder auch den Grimme-Preis, um nur einige zu nennen.

Dass auch die ganz Grossen auf Schweighöfer aufmerksam wurden, ist auch seinem Schauspiel-Kollegen Til Schweiger zu verdanken. Denn neben ihm konnte sich Schweighöfer als Komödien-Schauspieler in Deutschland etablieren. Das erste Mal standen die beiden 2007 für «Keinohrhasen» vor der Kamera. Und in den Folgejahren sollten sich Schweiger und Schweighöfers Wege mehrmals kreuzen, sind die beiden doch auch im Film Zweiohrküken zusammen zu sehen.

Bevor sich Schweighöfer selbst auf den Regiestuhl traute, wagte er einen Abstecher nach Hollywood: Im internationalen Projekt «Der rote Baron» mimte er den Piloten Manfred von Richthofen, und war 2008 in «Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat» als Leutnant Herber an der Seite von Superstar Tom Cruise zu sehen. Zurück in seiner Heimat, feierte er 2010 sein Debüt als Regisseur mit der romantischen Komödie «What a Man». Dabei agierte er zugleich als Hauptdarsteller und Koautor sowie als Koproduzent. 2013 kam dann sein zweiter Spielfilm Schlussmacher (Freitag, 3. April, 20.15 Uhr, ORF1) ins Kino. Bevor Schweighöfer 2014 seine dritte Eigenproduktion «Vaterfreuden» auf die grosse Leinwand brachte, stand er noch einmal mit Schweiger für «Kokowääh 2» vor der Kamera.

Wieso er immer wieder zu Schweiger zurückkehrt? Weil der Berliner eine entspannte Atmosphäre am Filmset schätze und deshalb am liebsten mit guten alten Bekannten drehe. So engagierte er auch für seinen neusten Film, Der Nanny, der aktuell im Kino läuft, seine Freunde Milan Peschel und Joko Winterscheidt. In Kombination mit Letzterem kann man Schweighöfer in der aktuellen Folge von das Quizduell (Freitag, 27. März, 18.00 Uhr, ARD) sehen. Dass diese «Kuschel-Einstellung» im Filmbusiness auch Schattenseiten bergen kann, weiss Schweighöfer. Denn aufgrund seiner immer wiederkehrenden Zusammenarbeit mit Til Schweiger und der Ähnlichkeit ihrer Projekte, wird Schweighöfer gerne mit Schweiger verglichen: Von Seiten der Kritiker heisst es nicht selten, dass Schweighöfers Filme zwar kommerziell ausgesprochen erfolgreich sind, er sich aber auf wenig anspruchsvollen Komödien im Schweiger-Stil beschränke.

Nichtsdestotrotz gibt es einen entscheidenden Unterschied: Bezüglich seiner früheren Filme wird Matthias Schweighöfer eine enorme Wandelbarkeit zugesprochen, und er bleibt vor allem sich selbst treu. In der Hoffnung ein anderes Image zu erlangen, will sich Schweighöfer in Zukunft einem Action-Film widmen - ob auch dieser Ähnlichkeiten mit Schweigers Schutzengel haben wird?

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