F wie Fälschung ©
Mittwoch, 21. Februar • 06:40 - 07:25

F wie Fälschung

E1Blütenträume

Dokumentation

Christian Berkel deckt in seinem Labor die beliebtesten Geldfälschertricks auf und fragt nach den Motiven der Fälscher: Ging es wirklich immer nur ums Geld? Warum Jürgen Kuhl seine Blüten so täuschend echt gelungen sind, wie andere vor ihm zu Werke gegangen sind und welche Fehler ihnen trotzdem zum Verhängnis wurden, davon erzählt Christian Berkel in "F wie Fälschung: Blütenträume". Köln, im Sommer 2006. Ein warmer Abend im Gewerbegebiet Widdersdorf. Schrott liegt herum. Papierfetzen wehen über einen menschenleeren Hof, der im Dunkeln liegt. Nur zwei Fenster eines Flachbaus sind erleuchtet. Innen herrscht Chaos: Bunte Gemälde stehen auf Staffeleien, Pinsel, Lösungsmittel, Farben und zusammengeknüllte Druckbögen begraben einen großen Tisch unter sich. Jürgen Kuhl, damals 65, ein Intellektueller mit randloser Brille, verbindet sich die Augen mit einem dunklen Tuch. Er greift mit jeder Hand in einen Karton. Der Kopf mit der Augenbinde verharrt eine Weile reglos, dann reißt sich Kuhl das Tuch von den Augen und starrt auf seine Hände, die zwei 100-Dollar-Noten befühlen. Eine davon ist echt. Die andere eine "Blüte". Die Scheine sind für einen Laien nicht zu unterscheiden. Er kann es kaum glauben, aber er hat es geschafft. Jürgen Kuhl, Kölner Rentner, Künstler und Designer, hat den Dollar gefälscht. Der Film erweckt die berühmtesten Fälscher ihrer Zeit zum Leben: "The King" David Hartley, der im 18. Jahrhundert Goldmünzen nachmachte und damit eine ganze Region im Norden Englands aus der Armut befreite. Alves dos Reis, dessen Fälschungen beinahe die Bank von Portugal ruinierten und der mit seinen Machenschaften dazu beitrug, den gefürchteten Diktator Antonio de Oliveira Salazar an die Macht zu bringen. Die jüdischen Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen, die von den Nationalsozialisten gezwungen wurden, englische Pfundnoten zu fälschen. Die Nazis hatten geplant, Mengen von Falschgeld über England abzuwerfen, um die Wirtschaft des Kriegsgegners zu schwächen. Und schließlich Jürgen Kuhl, der mit 16,5 Millionen falschen Dollars das Bundeskriminalamt herausforderte - und dem trotz seiner Genauigkeit ein unfassbarer Fehler unterlief, der ihm zum Verhängnis wurde. Experten von Bundeskriminalamt und Bundesbank analysieren die Infrastruktur von Geldfälscherringen und beleuchten die Arbeit der Ermittler. Das Nationale Analysezentrum der Bundesbank gewährt Einblick in seine große Fälschungs-Sammlung. Dort finden sich allerhand kuriose Blüten aus vielen Jahrzehnten - aber auch ganz aktuelle, täuschend echte Euro-Noten. Übrigens: Wer sich über die Mengen an echt aussehenden Dollars und portugiesischen Escudos im Film wundert: Dafür hatte die Filmcrew einen wahren Profi angeheuert: Jürgen Kuhl ging noch einmal ans Werk. Dieses Mal aber ganz legal.

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20.02.18 • 20:15 • 2013


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