Samstag, 25. Mai • 13:35 - 14:20

Tatort Peru

Im Bann der Nasca-Linien

Dokumentation

D 2009

Die Nasca-Linien in Peru sind die berühmtesten Hinterlassenschaften der Vorzeit. Das Ensemble aus mythischen Figuren und geometrischen Bodenbildern bietet Anlass zu wilden Spekulationen. Die Dokumentation stellt jüngste Forschungsergebnisse vor und verfolgt die Entschlüsselung des größten Bilderrätsels der Menschheit. Das Leben der Nasca-Indianer wird gezeigt - von Rekonstruktion der Ritualhandlungen bis zu ihrem Untergang. Erst vor Kurzem gelang es Wissenschaftlern des Deutschen Archäologischen Instituts, die wahre Bedeutung der Chiffren im Wüstensand zu entschlüsseln. Das Team um Dr. Markus Reindel rückt den Erbauern der Linien erstmals mit forensischen Hightech-Methoden zu Leibe. Analyseverfahren von Zähnen, Haaren und Knochen geborgener Mumien liefern dem Archäologen Indizien, um die vergangene Epoche der Nasca zu rekonstruieren und dem Zweck der Bodenbilder auf die Spur zu kommen. Seiner Ansicht nach dienten die gigantischen Gravuren als heiliger Ritualparcours - ein Geflecht aus Pilgerwegen, das von Hunderten von Menschen begangen wurde. Dabei können die Wissenschaftler nachweisen, dass die ersten Scharrbilder früher angelegt wurden, als bislang angenommen. Molekulargenetische Untersuchungen verraten auch, woher die Vorfahren der Relief-Künstler kamen. Sie immigrierten mit den ersten Einwanderern Amerikas aus dem eisigen Sibirien nach Peru. Den Siedlern muss das Nasca-Plateau einst wie ein Garten Eden vorgekommen sein. Üppige Flussoasen boten Nahrung im Überfluss und damit ideale Voraussetzungen für die Herausbildung einer Hochkultur. Die Nasca errichteten ein Wirtschaftsimperium, dessen Handelsbeziehungen sogar bis ins ferne Ecuador reichten. Die Welt der Indianer war scheinbar in Ordnung, doch eines war für die Menschen am Wüstenrand immer ein unsicherer Faktor: Regen. Seit Langem vermutet Dr. Reindel, dass die geheimnisvollen Graffitis Botschaften an die Wettergötter darstellen. Die Schamanen der Nasca wollten mit ihnen die überirdischen Mächte gnädig stimmen, das Gleichgewicht der Natur zu bewahren. Naturwissenschaftler konnten jüngst beweisen, dass ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Nasca-Linien und der Lebensumwelt der Indianer besteht. Immer wieder wurde das sensible Ökosystem am Wüstenrand von Dürreperioden heimgesucht. Je trockener es wurde, desto monumentaler gestalteten die Nasca ihre Scharrbilder. Alle Menschen sollten auf den heiligen Bühnen Platz finden, um in einem gemeinsamen Kraftakt den Göttern Opfer darzubringen. Der Hilferuf der verzweifelten Bevölkerung wurde nicht erhört. Anhaltender Wassermangel führte zum Kollaps der Landwirtschaft und besiegelte schließlich das Schicksal der Gemeinschaft. Von ihren Göttern verlassen, wählten die Menschen den Exodus. Tausende von Klima-Flüchtlingen trieb es auf der Suche nach einer neuen Heimat die Anden hinauf. Zurück ließen sie nur ihre Scharrbilder. Die Nasca-Linien dokumentieren den schleichenden Klimawandel, der die einst blühende Region in eine Wüste verwandelte. Damit sind die Gravuren der Atacama-Wüste mehr als gigantische Kultanlagen. Sie sind eine ewige Botschaft an die Nachwelt.

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