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Dienstag, 26. September
10:45 - 11:15

Noch immer existiert die berühmte Tremola, die alte Verkehrsverbindung über den Gotthard. ©
Die Teufelsbrücke überwindet die tiefe Schöllenenschlucht, das größte Hindernis am Gotthard. Bis zum 17. Jahrhundert war es nur unter erschwerten Bedingungen möglich, hier durchzukommen und Handelswaren zwischen dem Norden und dem Süden zu transportieren. ©
Die Spielszene zeigt, wie Bauern ihre Waren über den Gotthard transportierten. ©
Der Gotthardpass ist im Winter gesperrt. Dann gehört diese Region wieder der Natur. ©
Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine erste regelmäßige Verkehrsverbindung für Reisende per Postkutsche. Mit der Eröffnung der Gotthardbahnlinie war ihr Ende besiegelt. ©
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Gotthard - Unser Tor zum Süden

Die Dokumentation zum ZDF-Adventszweiteiler "Gotthard" beleuchtet die dramatischen Bedingungen um die größte technische Herausforderung des 19. Jahrhunderts - und um ein Bollwerk der Alpen. Der Bau des ersten Gotthard-Eisenbahntunnels war ein Meilenstein im jahrhundertelangen Ringen des Menschen, den Gotthard zu überwinden - als eine der zentralen Verkehrsachsen Europas. Ein Ort voller Sagen, Geschichten und Schicksale. 1872 begannen visionäre Unternehmer und Ingenieure mit einem kühnen Projekt: Sie begannen, den längsten Eisenbahntunnel der Welt zu bauen, zugleich von Norden und von Süden, 15 Kilometer quer durch das tückische Gestein des Gotthard. Tausende von Mineuren, oftmals verarmte Arbeiter aus Italien, schufteten hier für einen Hungerlohn unter katastrophalen Bedingungen. Fast 200 Arbeiter starben, viele Hundert erkrankten schwer in Folge der unvorstellbar schlechten hygienischen Zustände auf der Baustelle und in den oft überbelegten miserablen Unterkünften. Das Projekt war das bislang größte Vorhaben in der Geschichte des Gotthard, diese Gebirgsformation zu überwinden. Doch nicht das erste: Die Dokumentation erzählt davon, wie sogenannte Säumer bereits im Mittelalter unter zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen Menschen und Waren über die Alpen brachten, wie später der erste reguläre Postkutschenverkehr eingerichtet wurde - und schlägt den Bogen bis in die Gegenwart: zum unlängst eröffneten Gotthard-Basistunnel, mit 57 Kilometern der derzeit längste Tunnel der Welt. Der Gotthard ist das Verkehrsnadelöhr der Alpen, nicht nur auf der Schiene: Viele kennen die Nord-Südachse eher aus leidvoller Erfahrung mit dem Auto, wenn sie auf ihrem Weg nach Italien wieder einmal im Stau vor dem 17 Kilometer langen Gotthard-Straßentunnel stehen. Was die Schweizer Polizei hier immer wieder erleben muss, zeigen exklusive Aufnahmen: Autofahrer, die auf der einspurigen Strecke verbotenerweise überholen oder halsbrecherische Wendemanöver wagen. Historische Aufnahmen aus Privatarchiven machen deutlich, wie sich Touristen bereits vor 50 Jahren über den berühmten Gotthardpass quälten. Zeitzeugen berichten aus ihrem bewegten Leben, wie Hans Regli, der vor 70 Jahren knapp unterhalb der Passhöhe geboren wurde. Er liebt seinen Gotthard: "Es ist eine raue Gegend, aber wir sind rau gewöhnt. Das hier ist mein Paradies!" Wie viele Einheimische weiß er, was Durchreisende oft nicht einmal ahnen: Der Gotthard ist nicht nur durchbohrt von Straßen- und Eisenbahntunneln. Hier existiert auch eine Unterwelt, die lange Zeit vor der Öffentlichkeit verborgen wurde und zu der heute immerhin ein kleiner Teil zugänglich ist: die Festung "Sasso San Gottardo". Die Dokumentation gewährt einen Einblick in eine gewaltige Bunkeranlage, die im Zweiten Weltkrieg gebaut wurde: versteckte Artilleriegeschütze hinter Felsattrappen, kilometerlange Gänge und höhlenartige Baracken, die Tausenden Schweizer Soldaten im Kampf gegen Hitler Unterkunft bieten sollten. So schafft dieser Film ein Gesamtbild einer enorm facettenreichen Welt, dem Gotthard als Verkehrsnadelöhr der Alpen, einem strategischen Bollwerk der Schweiz, aber auch einer Wetterscheide zwischen Nord und Süd und dem Ursprung von vier Flüssen. Unter anderem ist hier oben, am eher unscheinbaren Tomasee, die Quelle des Rheins. Als 1882 der erste große Gotthard-Tunnel eröffnet wurde, war nicht nur ein gewaltiges Jahrhundertbauwerk entstanden. Mehr und mehr zeichnete sich ab, welche Bedeutung diese Gebirgsformation für Europa hatte. So sehr, dass es, wie Historiker berichten, bereits vier Jahre nach der Fertigstellung dieses Meisterwerks Überlegungen in der Schweiz gab, diesen Tunnel wieder zu sprengen - falls ein Angriff aus einem der umgebenden Staaten drohte.

Jahr: 2016
Länge: 30 Minuten

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