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Mittwoch, 19. Dezember • 16:45 - 17:30

ZDFzeit

Die große Deutschland-Studie

Dokumentation

Deutschland 2018

Das längste Leben, die beste Luft, die niedrigsten Mieten oder das höchste Einkommen - welche Orte in Deutschland sind top und welche flop? Eine neue Studie liefert überraschende Antworten. So sind die Unterschiede zwischen Nord und Süd inzwischen größer als zwischen Ost und West. Zu diesem Schluss kommen die Wissenschaftler, die für das ZDF Daten aus allen 401 Landkreisen und kreisfreien Städten ausgewertet haben. Einen klaren Gewinner-Ort gibt es auch. Die Deutschland-Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag von "ZDFzeit" vergleicht die Lebensverhältnisse in der Republik. 14 Mal erreichen Städte und Kreise aus Baden-Württemberg die vorderen Ränge. Vier Top-Plätze gehen nach Ostdeutschland. Probleme gibt es dagegen insbesondere im Ruhrgebiet. Doch trotz großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten leben auch hier die Menschen gern. Die Abwanderung aus der Metropole Ruhr ist nicht mehr so hoch wie vor einigen Jahren. Mit versteckter Kamera testet "ZDFzeit", wie die Menschen im Ruhrgebiet reagieren, wenn man sie dennoch auffordert, ins erfolgreiche Bayern umzuziehen. "ZDFzeit" zeigt, wo es gut läuft - und wo nicht. In dem kleinen Dorf Ellweiler im Hunsrück drückt die Schuldenlast. Fast 400 000 Euro sind es inzwischen, doch Einnahmen gibt es so gut wie keine. Ohne Infrastruktur hat es Bürgermeister Gerhard Göttge schwer, Unternehmen nach Ellweiler zu holen. "Wir haben inzwischen gutes Internet, aber Handyempfang hängt vom Standort ab." Eine Busverbindung gibt es nicht, und die Dorfkneipe hat inzwischen auch geschlossen. Doch der 63-Jährige will nicht aufgeben. Er und die anderen 330 Einwohner packen selbst mit an. Egal, ob die Parkbank neu gemacht werden muss oder das Dach vom Gemeindehaus - ohne Eigeninitiative würde es gar nicht gehen. "Wir sind vergessen und abgehängt vom Rest der Welt", sagt Göttge. Strukturschwache Regionen gibt es überall in Deutschland. Unter den schlechtesten 50 Platzierungen befinden sich 24 Kommunen in NRW, 11 in Niedersachsen, 10 in ostdeutschen Bundesländern. "Unsere Ergebnisse belegen, dass wir inzwischen eher Unterschiede zwischen Land und Stadt sowie Nord und Süd haben als zwischen Ost und West", resümiert Prognos-Chef Christian Böllhoff. In Göritz im Spreewald gibt es weder gute Einkaufsmöglichkeiten noch schnelles Internet. Die "Tuningfreunde Spreewald" haben als Hobby ihr Auto. Die jungen Erwachsenen wollen trotz aller Widrigkeiten ihrem Dorf treu bleiben. Steffi Blaschke, 24, kann sich kein anderes Leben vorstellen: "Hier kennt jeder jeden. Der Trubel und die Anonymität in der Stadt sind nichts für mich." Noch immer gibt es in Deutschland eine tiefe Sehnsucht nach dem "Leben auf dem Land". Das zeigt eine repräsentative Umfrage für "ZDFzeit". Befragt nach ihrem Wunsch-Wohnort sagen 44 Prozent der Deutschen, dass sie von einem Leben in einem kleinen Dorf auf dem Land träumen, 39 Prozent würden am liebsten in einer kleineren Stadt wohnen, und nur 16 Prozent bevorzugen die Großstadt. Winzerin Hildegard Stigler führt so ein Leben, das sich wohl viele vorstellen. Sie steht regelmäßig in ihren Weinbergen, schneidet die Reben und genießt die Landschaft. Danach sitzt sie mit der gesamten Familie bei der "Vesper", dem Abendessen. Natürlich mit einem Glas Wein aus dem eigenen Anbau. "Es ist ein gemütliches Leben hier", sagt sie, "das lässt uns alt werden. Wir haben keinen Stress." Tatsächlich haben Frauen in der Region Breisgau-Hochschwarzwald die höchste Lebenserwartung in Deutschland. Insgesamt sind 24 000 Datensätze in die Studie eingeflossen, unterschiedlich gewichtet nach wissenschaftlichen Vorgaben. Zehn Forscher von Prognos haben ein Jahr lang daran gearbeitet, darunter Soziologen, Politologen und Volkswirte.

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