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Freitag, 20. Juli • 22:00 - 23:30

Nachtcafé

Organspende - von Zweifeln und Hoffnung

Talk

Deutschland 1987

Nach dem eigenen Tod noch ein Leben retten? Es klingt so einfach und positiv, doch die Zahl der Organspender sinkt in Deutschland seit Jahren. Das Thema ist mit vielen Zweifeln und Ängsten verbunden. Aktuell benötigen hierzulande mehr als 10.000 Menschen ein Spenderorgan. Für sie ist ein Spenderherz, eine Lunge oder eine Niere überlebenswichtig. Mit einer Transplantation bekommen sie ein neues Leben geschenkt. Doch warum ist die Bereitschaft in der Bevölkerung zur Organspende so niedrig? Neben Schlagzeilen über Organspende-Skandale und Wartelisten-Betrug schockieren auch Fälle von Angehörigen, die von ganz persönlichen Negativ-Erfahrungen mit Organspende berichten. Wie sollte man mit den Ängsten der Menschen umgehen? Was ist die Definition von Hirntod? Wann hört ein Mensch auf zu leben? Viele Menschen setzen sich nur ungern mit Fragen rund um das Thema Tod auseinander. Nur 40 Prozent der Deutschen haben einen Organspender-Ausweis. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn versucht, mehr Menschen dazu zu bewegen, schon zu Lebzeiten eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen. Was gilt es bei Organspenden zu beachten? Wie berechtigt sind die Ängste? Darüber spricht Michael Steinbrecher mit seinen Gästen im "Nachtcafé: Organspende - von Zweifel und Hoffnung" am Freitag, 20. Juli, 22 Uhr, im SWR Fernsehen.
Die Gäste im "Nachtcafé":
Isolde Tarrach wartet auf eine Multi-Organspende
Isolde Tarrach ist nach jahrelanger Diabetes schwer nierenkrank und wartet seit einem halben Jahr auf eine Multi-Organspende. Bei der ehemaligen Moderatorin hat die Hoffnung die Zweifel zerstreut. Sie sagt: "Ich habe das Ziel, diese Transplantation zu bekommen und hoffe, dass ich die Organe vertragen werde."
Anita Wolf hat die Organe ihres Mannes zur Spende freigegeben
Drei Familien können dank Anita Wolf heute voller Hoffnung in die Zukunft blicken: Nachdem ihr Ehemann Dieter 2017 überraschend starb, gab sie seine Organe zur Spende frei. "Dieser sinnlose Tod hat drei Leben gerettet und damit hat es einen dreifachen Sinn gegeben", befindet Anita Wolf.
Silvia Matthies beschäftigt sich als Journalistin mit den Schattenseiten der Organspende
"Organspende ist nicht so harmlos, wie sie dargestellt wird", stellt die Journalistin Silvia Matthies fest. Seit mehr als drei Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit den Schattenseiten der Organspende. Besonders problematisch sind für sie die Vorgehensweise bei Hirntod-Diagnosen und der Umgang mit den Angehörigen.
Oliver Antoni bekam nach einer Organspende gesundheitlich Probleme
Oliver Antoni spendete seiner schwer kranken Frau eine Niere - doch über die Risiken des Eingriffs wurde er im Vorfeld nicht aufgeklärt. Letztlich hätte ihn die Operation fast das Leben gekostet und hatte schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Dabei beklagt er vor allem den Umgang: "Mir wurde eingeredet, die Probleme kämen nur von meinem Kopf."
Tobias Metzger bekam als Jugendlicher ein neues Herz
Tobias Metzger wurde mit einem Herzfehler geboren und sollte mit 14 Jahren endlich ein neues Herz bekommen. Zunächst haderte er mit dem Eingriff, doch die Organspende rettete schließlich sein Leben. Heute sagt der 21-Ja?hrige: "Ich bin noch immer ein Zweifler, aber ein hoffender Zweifler geworden."
Prof. Dr. Johann Pratschke ist als Transplantationsmediziner tätig
Seit 20 Jahren arbeitet Prof. Dr. Johann Pratschke als Transplantationsmediziner. Der Klinikchef der Berliner Charité kennt die Zweifel und Ängste der Menschen, die beim Thema Organspende vorherrschen. Obwohl er diese aus medizinischer Sicht für unbegründet hält, befindet er: "Es ist kontraproduktiv, Organspende zu einer 'Hurra-Veranstaltung' zu machen."
Prof. Dr. Monika Bobbert ist als Medizinethikerin tätig
Für Prof. Dr. Monika Bobbert ist klar: Das Thema Organspende berührt zentrale ethische Fragen nach Freiwilligkeit und Selbstbestimmung, die zu diskutieren sind. Was das Kriterium des Hirntodes angeht, ist sie der Ansicht: "Welchen Zeitpunkt wir als Zeitpunkt des Todes akzeptieren, muss jedem Einzelnen überlassen werden."

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