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Sonntag, 01. November • 12:45 - 14:15

Herbst auf dem Land

Erinnerungen ans Dorfleben im Südwesten

Kultur

2015

Morgens steht der Nebel über den Feldern, im Bauerngarten blühen die Herbstblumen wie zum Abschied nochmal besonders bunt. Es riecht würzig nach Laub. Der Herbst bedeutete früher für viele Familien auf dem Land vor allem eines: die körperlich harte Arbeit der Ernte. Wochenlang müssen alle mit anpacken. Denn Zwetschgen, Birnen und Äpfel scheinen fast zeitglich reif zu sein. Was jetzt nicht gegessen werden kann, wird haltbar gemacht, eingeweckt. Die große Sorge aber bleibt - wird genug für den Winter da sein?
Früher bestimmten die Jahreszeiten viel stärker als heute das Leben der Menschen. Wie war das damals im Herbst, wenn der harte Winter bevorstand? Als man die Vorräte noch selbst anlegen musste, um im Frühjahr noch etwas zu essen zu haben? Es sind Geschichten aus einer scheinbar anderen Welt und doch Erinnerungen, die gar nicht so lange her sind. Mehr als 600 Jahre lief alles immer gleich ab auf dem Land, bis in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren große Veränderungen kamen. Die SWR-Autoren Elmar Babst, Nicola Haenchen und Holger Wienpahl sind durch die Dörfer von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gefahren und haben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befragt. Da ist ein Förster im Schwarzwald, der sich an die Arbeit der Zapfensamen-Sammler in schwindelerregender Höhe der Tannenwipfel erinnert. Ein Bauer aus dem Kinzigtal erzählt von den besonderen Bräuchen zu Erntedank, wenn Erntestäbe und kunstvolle Erntebilder aus Körnern gefertigt wurden. In Oberschwaben ist im Herbst Hopfenernte. Dort erinnert man sich noch an die Schinderei der harten Handarbeit, bevor es die Erntemaschinen gab.
Im Hunsrück lebt eine 98-jährige Frau fast noch genauso wie vor 60 Jahren. Acht Kinder hat sie großgezogen, ihr Dorf nie verlassen und den Kohl erntet sie wie damals im eigenen kleinen Gemüsegarten. Früchte werden eingemacht, um gut über den Winter zu kommen.
An der Mosel haben zwei Männer aus Ediger-Eller längst gelernt, mit dem Fluss zu leben, der im Herbst immer wieder über die Ufer tritt. Sie erinnern sich an abenteuerliche Tage ihrer Kindheit.
Dann ist da ein Winzer aus Rheinhessen. "Wir gingen in den Herbst", sagt er. Zur Lese der Trauben mit der schweren Butte auf dem Rücken.
Herausgekommen ist eine Zeitreise mit hautnahen Schilderungen und anrührenden Erinnerungen an den Herbst auf dem Land. Viele Schwarzweißaufnahmen und einzigartiges historisches Archivmaterial dokumentieren die vergangenen Jahrzehnte. Umfangreiche Flugaufnahmen bieten eine ungewöhnliche Perspektive auf die Schönheit der ländlichen Regionen im Südwesten heute.

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