Thursday, 26. April • 20:15 - 21:00

Kanadas deutsche Küste - Lunenburg in Nova Scotia

Dokumentation

An der Ostküste Kanadas klingt ein Ort, dessen Name seltsam vertraut klingt. Die kleine Stadt Lunenburg, westlich von Halifax, wurde 1753 von norddeutschen Einwanderern gegründet. Der idyllische Ort mit vielen Holzhäusern zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im 19. Jahrhundert war Lunenburg eine der reichsten Städte des Britischen Königreichs, durch Fischerei und Schiffsbau zu Wohlstand gekommen.
Glenn Rhodenizers Familie geht über zehn Generationen direkt auf die deutschen Einwanderer zurück. Und was die Rhodenizers auf ihren Feldern direkt am Meer vor allem anbauen, könnte kaum typischer sein: Es ist Weißkohl, den die Bauernfamilie zu Sauerkraut verarbeit. Sauerkraut gibt es in dieser Gegend in jedem Restaurant und in jedem Supermarkt, es ist die Spezialität der Region.
Das Erbe des Holzbootbaus wird von David Westergard erfolgreich gepflegt. In seinem uralten Schuppen setzt er gerade einen 20 Meter langen Schoner aus vier verschiedenen heimischen Holzarten zusammen. Holzboote zu bauen, sagt er, ist wie "Slow Food": nachhaltig, bewusst, umweltschonend, abfallfrei.
Auch die traditionellen Dorys, die Ruderboote dieser Gegend, die früher von Fischern genutzt wurden, sind aus Holz. Einmal im Jahr treten Teams aus Kanada und den benachbarten USA gegeneinander zum großen Dory-Rennen direkt vor der idyllischen Wasserfront der Stadt an. Danette Eden hat im Vorjahr gewonnen und den ganzen Winter über hart trainiert, um ihren Titel zu verteidigen.
Auch Ollie Cote ist im Dory unterwegs, aber beruflich. Er sammelt "Irish Moss", Seegras, das ein sehr wertvoller Grundstoff für Lebensmittel und Kosmetik und hier in Nova Scotia von besonders guter Qualität ist. Auch wenn die Industrie große Mengen benötigt: geerntet wird von Hand und vom kleinen Boot aus, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Lunenburg konnte sich in seinen Glanzzeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar ein Opernhaus leisten, gestiftet von den reichen Schiffsbauern, obwohl hier nur knapp 3.000 Menschen leben. Den Niedergang des Schiffbaus überlebte die Oper zunächst als Kino, doch seit den 1970er-Jahren war sie dem Verfall preisgegeben. Farley Blackman hat sich die Rettung des Opernhauses zur Lebensaufgabe gemacht und kann jetzt, nach einem Jahrzehnt Arbeit, die Wiedereröffnung feierlich begehen.
So ist Lunenburg ganz auf Holz gebaut. Die hölzernen Schiffe, die einst den Reichtum brachten, die hölzernen Häuser, die den Charme des Städtchens ausmachen, die hölzerne Oper, die in neuem Glanz erstrahlt.
Das Holz wird in Nova Scotia bis heute auf traditionelle Art gewonnen: Mit Pferden ziehen Horse Logger die gefällten Stämme aus den hügeligen und felsigen Wäldern, die unpassierbar für Motorfahrzeuge sind. Kristan Kelley bildet mit seinem Lieblingspferd Belle ein eingespieltes Team. Im tiefverschneiten Winterwald kennen beide ihre Rollen und Wege, um den Baustoff, der Lunenburg reich und schön machte, aus den endlosen Küstenwäldern zu holen.
Ein kanadisches Team aus Halifax hat für diese Naturdokumentation im Auftrag des NDR die Bewohner Lunenburgs ein ganzes Jahr lang begleitet, in allen Jahreszeiten. So entstand das berührende Porträt einer Stadt und Region, die von einem wohlhabenden Zentrum der Fischerei und des Holzschiffbaus nach langen Jahren des Niedergangs wieder zu einem betriebsamen Juwel an der kanadischen Küste wurde, UNESCO-Weltkulturerbe mit reicher Tradition und hoher Lebensqualität.

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