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Bayerischer Kabarettpreis 2020 ©
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Donnerstag, 29. Oktober • 21:00 - 22:15

Bayerischer Kabarettpreis 2020

Unterhaltung

Deutschland 2020

Dr. Reinhard Scolik, Programmdirektor Kultur:
"Die Kabarettistinnen und Kabarettisten, die auf den Bühnen der Republik zu Hause sind, garantieren ein hohes Niveau, nicht nur an Unterhaltung, sondern auch an Intelligenz, Präzision, Timing und Sprachgefühl. Dies alles beweisen auch die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Bayerischen Kabarettpreises. Wir freuen uns, solch großartige Künstlerinnen und Künstler wie Maren Kroymann, Max Uthoff, Sebastian Krämer und Tahnee auszeichnen zu dürfen."
Annette Siebenbürger, Leitung Programmbereich Unterhaltung und Heimat:
"Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt das Kabarett als zehnte Muse. Und bis heute ist diese unverzichtbar für die Gesellschaft. Denn Kabarett unterhält nicht nur, Kabarett regt auf hintersinnige Art zum Nachdenken an - über die Welt und die Menschen, die in ihr leben. Der BR verleiht in diesem Jahr zum 22. Mal den Bayerischen Kabarettpreis an Künstlerinnen und Künstler, für die die zehnte Muse Lebensinhalt ist und die mit großer Leidenschaft und Professionalität ihren Teil dazu beitragen, dass die Grundwerte einer offenen und demokratischen Gesellschaft immer wieder aufs Neue justiert und gestärkt werden. Mit großer Freude und Hochachtung für ihr außerordentliches Können gratuliere ich Maren Kroymann, Max Uthoff, Sebastian Krämer und Tahnee!"
Senkrechtstarter-Preis: Tahnee
Intelligent, wandlungsfähig, selbstbewusst, präsent, authentisch: Tahnee ist all dies und noch so viel mehr. Ihre Comedy-Nummern sind immer auch politisch, ihre Kabarett-Darbietungen umwerfend komisch. Die 28-jährige gebürtige Heinsbergerin beherrscht die kuriosesten Dialekte und Akzente und lässt in Sekunden plastische Figuren auf der Bühne entstehen. Wie selbstverständlich Tahnee mit dem Publikum interagiert, es spontan einbindet, sich mit ihm verbündet oder es auch mal verspottet, ist große Kunst.
Tahnee: "Ich fühle mich sehr geehrt. Auch wenn wir als Künstlerinnen und Künstler nicht auf der Bühne stehen, um Preise zu gewinnen, sind sie eine tolle Wertschätzung der eigenen Arbeit. Noch dazu mit so wundervollen Kollegen ausgezeichnet zu werden, erfüllt mich mit Stolz und großer Freude. Diversität ist eines der stärksten Merkmale unserer Gesellschaft. Dass ich als eine Repräsentantin diesen Preis entgegennehmen darf, ist schlicht fantastisch."
Laudator: Sebastian Pufpaff
Dass einem ein merkwürdiger Nachname die berufliche Orientierung vorgibt, geschieht eher selten. Bei Sebastian Pufpaff war es genauso. Um nicht verspottet zu werden, ging er in die Offensive. Der 1976 in Troisdorf geborene Pufpaff belegte einen Comedy-Workshop, um im Anschluss sofort sein eigenes Kabarett-Trio "Das Bundeskabarett" zu gründen. Zahlreiche Preise wie der Deutsche Kleinkunstpreis und vielfältigste Bühnenauftritte und Fernsehsendungen wie bei "Pufpaffs Happy Hour" beweisen, dass er sich genau richtig entschieden hat. Seine Corona-Homeoffice-Sendung "Noch nicht Schicht" ist beim Deutschen Comedypreis 2020 nominiert.
Musikpreis: Sebastian Krämer
Der große Schlacks mit den wasserblauen Augen lädt seine Zuschauer nicht zum Mitdenken ein, er fordert sie dazu heraus. Fallhöhe in alle Richtungen, das ist Sebastian Krämers Markenzeichen. Bei dem gebürtigen Ostwestfalen und Wahlberliner wird Kleines groß und Großes klein. Mit einem untrüglichen Gespür für Rhythmus, musikalischer Genialität und sprachlicher Präzision wirft sich der 44-Jährige regelrecht in seine Lieder. Dann besingt er Deutschlehrer und Busfahrer, Videotheken, Garagenbesitzer und kleine Katzen. Kathartisch geläutert, immens unterhalten und nachhaltig getröstet geht man nach einem Abend mit Sebastian Krämer nach Hause, zurück zu den eigenen Absurditäten.
Sebastian Krämer: "Der größte und wichtigste, schönste und bedeutendste Preis aus Bayern, den ich in meinem Leben abgestaubt habe (aber man könnte auch sagen: weltweit), ist meine Frau Laura, eine geborene Münchnerin. Aber der Bayerische Kabarettpreis kommt gleich danach! Ich hoffe mich würdig zu erweisen, indem ich noch immer kein Kabarett mache - darauf könnt Ihr lange warten! -, sondern weiterhin meine eigentümlichen Lieder, eins nach dem anderen."
Laudator: Piet Klocke
Die Karriere dieses Mannes in wenigen Sätzen zusammenzufassen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Neben einem Leben als Gitarrist, Aphoristiker, Filmkomponist, Musiker und Autor wurde er auch noch Kabarettist und bescherte seinem Publikum langanhaltenden Lachmuskelkater. Berühmt-berüchtigt ist der gebürtige Bremer für seine Rolle des zerstreuten Professors Schmitt-Hindemith, der keinen seiner Sätze zu Ende bringt, sich durch abstruse Geschichten assoziiert und bei Applaus sein Publikum ermahnt: "Das geht alles von Ihrer Zeit ab!"
Hauptpreis: Max Uthoff
Er ist der Professor unter den Kabarettisten. Wie in einer universitären Vorlesung stellt Max Uthoff Thesen, Antithesen und Synthesen in atemberaubendem Tempo gegeneinander. Mit schnarrend-schneidender Stimme nimmt er sich das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen in Deutschland vor und fordert von seinen Zuhörern vor allem eins: den eigenen Denkapparat in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Und zwar für die gesamte Dauer seines Auftritts. Wenn der 52-jährige gebürtige Münchner Politikerlügen entlarvt und Wirtschaftszusammenhänge auseinanderklamüsert, hat man ein Aha-Erlebnis, eine Erkenntnis, zu der man vermutlich alleine nicht gefunden hätte. Eine große Aufgabe und großes Kabarett.
Max Uthoff: "Bei großen Schicksalsschlägen stellt man sich häufig die Frage: warum ich? Angesichts der Verleihung des bayerischen Kabarettpreises frage ich mich aber: warum nicht? In einem Jahr, in dem ein Virus alles in Frage stellt und keiner darauf antworten will, nehme ich frecherweise einen Preis dafür entgegen, dass ich vieles in Frage stelle, ohne eine Antwort zu haben. Mache ich glatt. Und zwar erfreut, hocherfreut!"
Laudatorin: Lisa Politt
Mit ihrem 2003 in Hamburg gegründeten Theater "Polittbüro" machte sie sich als Kabarettistin mit scharfem Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse einen Namen und gewann im selben Jahr als erste Frau den Deutschen Kabarettpreis. Mit ihrem Lebensgefährten Gunter Schmidt ist die studierte Psychologin als Duo "Herrchens Frauchen" unterwegs, kehrt aber immer wieder ins eigene Theater zurück, wo sie auch prominenten Gästen wie Hannelore Hoger, Burghart Klaußner oder Sepp Bierbichler eine Bühne bietet.
Ehrenpreis: Maren Kroymann
Sie ist der lebende Beweis, dass Frauen alles können, was sie wollen. Auch wenn sie sich selbst als "Spätzünderin" bezeichnet, ist ihre Strahlkraft enorm. Über Jahrzehnte auf Bühnen und im Fernsehen hat sie ein Maß an Durchblick und Präzision erreicht, das seinesgleichen sucht. Schon immer sind es frauenemanzipatorische Themen, die die 70-Jährige bewegen. Aus diesem Komplex schöpft sie ihre Figuren, die sie genau beobachtet, exakt umsetzt und damit die ganze Bandbreite möglicher Frauenbiografien reflektiert. Genauso, wie sie das Gebaren ihrer Geschlechtsgenossinnen aufs Korn nimmt, deckt sie auch Diskriminierungen, strukturellen Frauenhass oder überholte Rollenbilder auf. Maren Kroymann zeigt grandios, wie man das Leben mit Humor und Klugheit meistert, statt über dessen Zumutungen zu verzweifeln.
Maren Kroymann: "Eine große Ehre! Ich bin ja im Herzen eine altmodische politische Kabarettistin und von Hildebrandt, Polt, Jonas geprägt. Nur, dass das, was ich heute tue, etwas anders aussieht und sich etwas anders anfühlt. Aber kommt es nicht auf das Herz an? Ich freue mich riesig und bin sehr dankbar!"
Laudator: Walter Sittler
Dem Fernsehzuschauer ist der Schauspieler Walter Sittler aus unzähligen Filmproduktionen bekannt. Berühmt wurde er durch die Comedy-Serie "Nikola", wo er den Chefarzt Dr. Schmidt spielte. Der als jüngstes von acht Kindern in Chicago geborene 67-Jährige produziert aber auch gemeinsam mit seiner Ehefrau preisgekrönte Dokumentarfilme und geht mit Texten von Autoren wie Erich Kästner, Dieter Hildebrandt oder Roger Willemsen auf Tournee.

Moderation

Programm

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