Fernsehakademie

Bye Bye Teleboy

So, 20.05.2012, Dr. Gonzo

Als wir vor zehn Jahren einen Namen für Cineman's kleinen Bruder brauchten, gab es ausnahmsweise mal keine Diskussion: Teleboy sollte unsere neue Fernsehplattform heissen. Und natürlich war es schon damals gemeint als Verneigung vor unserem pausbäckigen TV-Superstar, der sich nun endgültig und für immer aus dem Showgeschäft zurückgezogen hat.

Auch den Daumen haben wir Kurt Felix abgekupfert
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Replay: Sondersendung zum Tod von Kurt Felix

Teleboy hiess die erfolgreichste Fernsehshow, die es in der Schweiz je gab. Einschaltquoten von 70% erreichte sie zwischen 1974 und 1981. Zwei Millionen Schweizer schauten am Samstagabend en famille den bunten Mix aus Gameshow, Comedy und versteckter Kamera, und am Montag rief das ganze Volk einander «Söll emol cho!» zu. Und das war noch gar nichts gegen das, was Kurt Felix nachher im deutschen Fernsehen abzog. 23 Millionen schauten gleichzeitig «Verstehen Sie Spass?». Quoten, von denen heute die Intendanten nur träumen können.

Es war die gute alte Zeit des Fernsehens, und Kurt Felix hat ihr später oft nachgetrauert, als er in Zeitungskolumnen den Niedergang der deutschsprachigen Fernsehunterhaltung beklagte. Damals gab das öffentlich-rechtliche Fernsehen den Takt vor, und die Nation klatschte mit. Kliby und Caroline eichten den Humorsinn einer ganzen Nation. Die Versteckte Kamera lieferte den Gesprächsstoff für ungezählte Polstergruppen und Kantinentische, und noch 2012 muss ich den Impuls unterdrücken, die besten davon zu erwähnen. Reinhold Messmer trifft mitten in der Eigernordwand auf einen Kiosk. (Der ist mir entwischt, sorry.)

Und nicht nur das: Schon während der Sendung wurden die Zuschauer zuhause fleissig einbezogen. Per Briefpost durften sie ihre eigenen Pointen zu den im Teleboy gezeigten Witzanfängen einsenden. Später konnten sie per TED über weiss Gott was abstimmen. Das war Social TV, bevor es das Wort gab, und Kurt Felix hat es erfunden. Und deshalb haben wir Kurt Felix nicht nur mit dem Namen dieser Website ein Denkmal gebaut, sondern wollen auch sein Social TV in die Zeit des Internet zurück holen, und in die zunehmende Vereinzelung des Fernsehens das Familiäre, das Freund- und Nachbarschaftliche wieder Einzug halten lassen. Im Geiste von Kurt Felix, meine Damen und Herren, haben wir für uns und euch die TV Lounge eingerichtet. Dort können wir wieder zusammen fernsehen, mit Freunden oder Gleichgesinnten, uns über Schiedsrichterfehler echaffieren und für Kandidaten schwärmen, Doktor in Grey's Anatomy oder Professor für Galileo werden.

Aber dies ist ein Nachruf, keine Eigenwerbung. Kurt Felix war der genialste und biederste, der innovativste und konservativste Fernsehmann, den die Schweiz je hatte. Möge er im Himmel seine eigene Show bekommen. Eine ganz grosse Kiste sollte es sein. Angel Dancers, fantastische Gäste und Hans Möckel dirigiert die Glenn Miller Band. Wir werden derweil hier seine Stellung halten und unermüdlich für eine bessere Fernsehunterhaltung eintreten.

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