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Tracks - Diese Woche: William B. Davis, K7eurs, Löffeltanz im Objekttheater, Toshio Matsumoto und Lee Scratch Perry!

(1): William B. Davis: Starker TobakBerühmt wurde William B. Davis, im wirklichen Leben Nichtraucher und Sprecher der kanadischen Krebsliga, als mysteriöser «Krebskandidat» in der US-amerikanischen Fernsehserie «Akte X». Dort sprach er 1993 für die Rolle des FBI-Chefs vor, erhielt jedoch die stumme Nebenrolle des «Rauchers», die ihn zum grössten Bösewicht der Fernsehgeschichte machen sollte. Der gebürtige Kanadier ist diplomierter Philosoph, Theaterdozent (er spielte bereits mit Laurence Olivier und Maggie Smith!), ehemaliger Meister im Wasserski und nun auch Buchautor: In seiner Autobiographie «Where there's smoke» enthüllt William B. Davis seine Vorliebe für Kräuterzigaretten. (2): K7eurs: Auf dem KassettendeckMitten im digitalen Zeitalter holen die K7eurs (sprich französisch: «cassetteurs») die Tonbandgeräte heraus. Der Kassetten-Jockey G. Lucas Crane alias «Non-Horse» kam aus New Yorks kunstaffiner Hausbesetzer-Szene nach Europa, wo er manches Juwel aus seinem Kassettenkoffer zaubert. Harold Schellinx aus den Niederlanden ist stets auf der Suche nach alten Kassetten, die er restauriert, archiviert und mit seiner Gruppe «Diktat» zu neuem Leben erweckt. Frankreichs Tonbandheld Tapetronic erfand mit seiner «Scratchette» eine Maschine, die 1998 alle DJs erblassen liess, und mixt seither mit Geschick und Leidenschaft kunstvolle Kreationen mit Kassetten, Telefonwählscheiben und Vibrator-Motoren. Nur «Blenno und die Wurstbrücke» zeigen modernere Ambitionen und präsentieren mit ihrem «Soundsystem für Arme» eine Neuinterpretation des Ghetto-Blasters. (3): Objekttheater: Ein Loch ist im Eimer!Es klirrt, scheppert und knallt! In diesen künstlerisch-akrobatischen Bastelstunden werden Alltagsgegenstände neu definiert. Chaos-Choreographin Camille Boitel sammelt auf Schrottplätzen Türen, Stühle und Geschirr und zerschmettert sie in einem scheinbar chaotischen Tanz. Die Plastiker der Gruppe «Tricyclique Dol» träumen von kreiselnden Bäumen und testen ihre neue Installation «Contre Nature» (zu Deutsch: «wider die Natur») in der beschaulichen Auvergne, wo ihre seltsamen Kreationen wohl so manchen Wanderer verschrecken. In George Bistakis Welt bellen die Dachziegel, und Handtaschen werden zu Kopfbedeckungen. Und was sagt der Arzt dazu? (4): Toshio Matsumoto: Konfliktfall ÖdipusIn seinem Kultfilm «Funeral Parade of Roses» (1969) kehrte Toshio Matsumoto den Ödipus-Mythos um und machte aus dem griechischen Helden einen schwulen Transvestiten, der sich in einen Nachtclubbesitzer verliebt. Das avantgardistische Werk über die orientierungslose japanische Nachkriegsgeneration, das Stanley Kubrick zu seinem Klassiker «Clockwork Orange» inspirierte, machte den japanischen Regisseur zur Schlüsselfigur des fernöstlichen Experimentalkinos. Matsumoto ergründete in seinen psychedelischen Kurzfilmen immer wieder Themen wie Sex, Drogen und schwule Subkultur und brach dabei mit den sozialen und künstlerischen Konventionen im Japan der 60er Jahre. (5): Lee «Scratch» Perry: Dub DaddyMit 76 Jahren und ganzen 1,55 Meter Körpergrösse gilt der Produzent, Sänger und Tänzer Lee Perry als eines der letzten Genies der jamaikanischen Musikgeschichte. Nachdem er zahlreiche Ska- und Reggae-Hits produzierte, die Aufnahmetechnik «Dub» erfand und zu einer eigenständigen Gattung erhob sowie Bob Marley und seine Wailers berühmt machte, steckte der kreative Tüftler im Jahr 1981 sein Kingstoner Studio in Brand und wanderte in die Schweiz aus. Um allzu aufdringliche Fans zu verschrecken, gibt er sich dort so exzentrisch, dass er für manche der Serge Gainsbourg des Reggaes ist!«Tracks» erwischte ihn bei einem Gastspiel in der Pariser Gaité Lyrique, wo Lee «Scratch» Perry zeigt, dass er noch immer topfit ist. [Arte]

Quelle: Genre: Musik
Datum: 15.12.2011 Sprache: Deutsch    

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