MDR

Dienstag, 13. Dezember
20:45 - 21:15

Uhr.  Darstellung von Martin Luther ©
Uhr.  Yadegar Asisi bei Feinarbeiten am Luther-Panorama. ©
Uhr.  Yadegar Asisi in seinem Atelier bei Vorarbeiten für das Luther-Panorama. ©
Uhr.  Yadegar Asisi bei Feinarbeiten am Luther-Panorama. ©
Uhr.  Yadegar Asisi in seinem Atelier bei Vorarbeiten für das Luther-Panorama. ©
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360° Luther - der Reformator als Kassenmagnet

Es ist der neueste Geniestreich von Yadegar Asisi. Der weltberühmte Künstler, der die Kunst des Panoramas auf spektakuläre Weise dem Vergessen entrissen hat, hat jetzt das erste seiner Großbilder in Sachsen-Anhalt gestaltet. In Wittenberg thematisiert er - rechtzeitig zum Beginn der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum - den legendären Thesenanschlag Martin Luthers an die Schlosskirche vor 500 Jahren.
Das gigantische Rundbild zeigt in einem eigens dafür errichteten Museumsbau, wie es in der Stadt am Tag des Thesenanschlags ausgesehen haben könnte. Dokumentierte und erdachte Szenen geben dem Betrachter einen sinnlichen Einblick in Luthers Zeit. Das war Yadegar Asisi wichtig: den Reformator in seiner Zeit zu zeigen.
"Panoramen haben etwas Magisches. Das zu schaffen, fasziniert mich", so Yadegar Asisi. Die Autoren des Films begleiten den Künstler beim Schaffen und Vollenden seines Werkes vom ersten Fotoshooting mit Wittenberger Komparsen bis zur Eröffnung und den Reaktionen der ersten Panorama-Besucher.
Die Dokumentation widmet sich aber auch der Frage, welchen Stellenwert Martin Luther und sein Erbe in der DDR hatten. Denn der Reformator war dort anfangs als "Fürstenknecht" verschrien und stand im selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaat zumindest offiziell lange Jahre in einem eher ungünstigen Licht. Das aber änderte sich ab Ende der 1970er-Jahre - maßgeblich auf Betreiben von Staats- und Parteichef Erich Honecker. Im Streben nach internationaler Anerkennung und möglicherweise auch lukrativen Deviseneinnahmen machte die DDR den verstoßenen Luther plötzlich salonfähig - und das 500. Jubiläum seiner Geburt im Jahr 1983 zu einem Großereignis, das den im gleichen Jahr gefeierten Philosophen Karl Marx fast vergessen machte.
Ausstellungen lockten Touristen aus dem Ausland in Lutherorte wie Wittenberg. Nicht weniger als sechs Kirchentage brachten einen unerwarteten Aufschwung für die Christen in der DDR. Der Reformator war nicht nur gesellschaftsfähig, sondern erstmals zu einem Kassenmagneten geworden.
Welche Folgen das hatte - unmittelbare für Museen und Innenstädte, mittelbare für Staatsgefüge und Gesellschaft - daran erinnern sich Zeitzeugen wie der frühere evangelische Bischof Axel Noack und die Wittenberger Historikerin Elke Strauchenbruch. Denn in gewissem Sinne markierte die Öffnung anlässlich der Reformationsfeierlichkeiten 1983 den Anfang vom Ende der DDR.

Länge: 30 Minuten

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